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Rennradtraining: Was die einschlägige Triathlon-Literatur uns verschweigt

Ein Kommentar

Das Blutzuckermanagement ist nicht immer das einzige Problem beim Sport. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass mir auf dem Rennrad gleich nach den ersten Metern die Nase läuft. In der einschlägigen Triathlon-Literatur spielt das Thema keine Rolle, also musste ich auf eigene Faust üben, beim Fahren den Schnodder loszuwerden. Wer sich vor Rotz und Bauerntaschentuch ekelt, bitte nicht weiterlesen!

Was tun, wenn beim Rennradfahren die Nase trieft? Das ist absolut kein triviales Problem, bei mir läuft der Schnodder beinahe unmittelbar, nachdem ich meinen Drahtesel bestiegen und ein paar kräftige Tritte gemacht habe. Warum Rennradfahren die Produktion von Nasensekret anregt, ist mir schleierhaft, doch das Problem ist real und wird in der einschlägigen Triathlon-Literatur schlicht totgeschwiegen. Papiertaschentücher sind keine Lösung, denn es ist motorisch einfach zu anspruchsvoll, auf dem Rennrad aus einer Trikottasche einhändig eine Packung Tempos hervorzufriemeln, den kleinen Verschlussaufkleber zu lösen, ein Taschentuch herauszuziehen, die Packung wieder in der Trikottasche zu verstauen, das Taschentuch zu entfalten und kräftig hineinzuschnäuzen.

Schnott am Trikot abwischen? Das ist ästhetisch unbefriedigend.

Man kann natürlich das Naheliegende tun und den Schnodder einfach am Ärmel abwischen. Das gefällt mir nicht sonderlich, denn ich habe aufgrund der Körperhaltung beim Rennradfahren meine Unterarme (und mithin den darauf abgewischten Schnodder) ständig im Blick und finde es nur mäßig interessant, im Laufe einer Ausfahrt zu beobachten, wie der nasse Rotz zu einer glitzernden Spur trocknet, ähnlich der, die auch eine Schnecke hinterlässt. (Ich habe euch gewarnt, nicht weiterzulesen, wenn ihr euch vor Rotz ekelt!)

Der Rotz des Vormanns segelte an meinem Helmvisier vorbei

Bleibt also das Bauerntaschentuch. Wer nicht weiß, was das ist: Man neigt den Kopf zur Seite, hält mit einem Finger ein Nasenloch zu und schnäuzt kräftig aus. Einfach so, ohne jegliche Hygieneartikel. Ich hatte lange große Vorbehalte gegenüber dieser Methode. Schließlich gibt es Triathleten, die im Wettkampf wenig Rücksicht auf ihre Konkurrenz nehmen, und einfach in voller Fahrt beim Überholen ins Bauerntaschentuch schnäuzen. Da ich häufiger überholt werde als selbst zu überholen, durfte ich schon einige Male beobachten, wie die langgezogene Schnodderfahne meines Vormanns (ja, definitiv immer ein VorMANN, bei Frauen habe ich so ein Verhalten bislang noch nicht erlebt) haarscharf an meinem Visier vorbeisegelte. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn sie mich erwischt hätte. Brrrrr!

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In der Wechselzone vom Schwimmen zum Laufen beim Hamburger Triathlon 2014. Kaum habe ich mich auf’s Rad geschwungen, läuft die Nase.

Warum gibt es eigentlich keine Video-Tutorials zum Bauerntaschentuch?

Doch es führt einfach kein Weg darum herum – ich musste mich mit dem Bauerntaschentuch anfreunden, damit ich beim Radeln frei durchatmen konnte. Leider scheiterten meine ersten Versuche kläglich: Irgendwie gelang es mir nicht, den Rotz weit genug von mir weg zu schnauben (was der Optik meines Trikots natürlich ebenso wenig zuträglich war wie das Abwischen zuvor). Das Internet bietet keine echte Hilfe: Auf Youtube suchte ich vergeblich nach Video-Tutorials zum Thema Bauerntaschentuch. Es half also nur eins: Training, Training und nochmals Training.

Dem Schnodder aus dem Augenwinkel nachschauen…

Ebenso wie ich das einhändige Glukosemessen mit dem Freestyle Libre auf dem Rennrad üben musste, gab es neulich also eine extra Trainingseinheit „Bauerntaschentuch“. Ganz wichtig: Wenn das linke Nasenloch freigepustet werden soll, bitte den Kopf auch nach links wenden und das rechte Nasenloch zuhalten – keinesfalls umgekehrt! Und dann kräftig schnauben – also so richtig kräftig. Wenn die Kraft des Schnaubers nämlich nicht ausreicht, dann hängt der Schnodder doch wieder irgendwo im Trikot (ich habe euch gewarnt, weiterzulesen, wenn ihr euch leicht ekelt…). Oder am Helm. Man muss aber auch aufpassen, beim Ausschnauben nicht mit dem Rad ins Straucheln zu geraten, was angesichts der wirkenden Kräfte ebenfalls gar nicht so leicht ist. Hmm, Blutzuckermanagement beim Sport ist dagegen beinahe ein Kinderspiel, zumindest erfordert es keine so präzise Feinmotorik und Koordination! Doch soll ich euch was sagen? Als es bei meiner letzten Rennradeinheit auf einmal klappte und ich auch erstmals aus dem Augenwinkel meinem davonsegelnden Schnodder nachschauen konnte, der frei durch die Luft segelte, da war ich richtig happy. Allerdings gelobe ich allen anderen Straßenathleten hochheilig, dass ich mich vor dem Gebrauch meines nagelneuen Bauerntaschentuches immer umsehen werde, damit ich niemanden erwische.

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