Süß, happy und fit

Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Glossar

An dieser Stelle habe ich in alphabetischer Reihenfolge ein paar Begriffe zusammengetragen und erklärt, denen man im Umgang mit Typ-1-Diabetes immer wieder begegnet. Wer nach einem ausführlichen Online-Nachschlagewerk sucht, dem möchte ich zum Beispiel die Seite Diabetesinfo.de ans Herz legen, die von Jörg Möller (Krankenpfleger und selbst Typ-1-Diabtiker) betreut wird und fundierte Informationen für Einsteiger, Fortgeschrittene sowie Profis bietet.

Adrenalin: Adrenalin ist ein Hormon, das bei Gefahr, Aufregung und Stress ausgeschüttet wird. Damit wir schnell reagieren (und möglicherweise fliegen oder angreifen) können, führt es zu einer raschen Ausschüttung von Glukose und damit zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels. Bei vielen Diabetikern machen sich Aufregung und Stress daher durch erhöhte Blutzuckerwerte und eine schlechtere Insulinwirkung bemerkbar.

Basalinsulin: Basalinsuline sind langwirksame Insuline, die den Grundbedarf des Körpers an Insulin abdecken. Sie werden ein- bis mehrmals täglich unabhängig von den Mahlzeiten und den verzehrten Kohlenhydraten gespritzt. Ihre Wirkung tritt verhältnismäßig langsam ein, dafür wirken sie dann – je nach Substanz, Gesamtdosis und persönlicher Konstitution – über einen Zeitraum von etwa 6 bis 36 Stunden.

Blutzuckermessung: Um den aktuellen Blutzucker zu messen, benötigt man in der Regel eine Lanzette (ein sehr kleines scharfes Messer zur Gewinnung eines Blutstropfens aus der Fingerkuppe), einen Teststreifen und ein elektronisches Blutzuckermessgerät, das aus bestimmten Parametern des Blutstropfens seinen Glukosegehalt berechnen kann. Blutzuckermessgeräte sind Medizinprodukte, die Teststreifen gelten als Diagnostika. Beide Produkte sind in Apotheken, in Drogerien oder im Online-Fachhandel erhältlich. Bei insulinpflichtigen Diabetikern übernimmt die Gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für mehrmals tägliche Messungen, für Typ-2-Diabetiker, die kein Insulin spritzen, werden derzeit nur gelegentliche Tagesprofile zur Stoffwechselkontrolle von den Kassen finanziert.

Bolusinsulin: Bolusinsuline sind schnellwirksame Insuline, die zu den Mahlzeiten gespritzt werden, damit die im Essen enthaltenen Kohlenhydrate vom Körper verwertet werden können und der Blutzuckerspiegel nicht zu stark ansteigt. Je nachdem, wie viele Kohlenhydrate eine Mahlzeit enthält, muss die Dosis angepasst werden. Die Wirkung von Bolusinsulin setzt verhältnismäßig rasch ein und hält – je nach Substanz, Gesamtdosis und persönlicher Konstitution – über einen Zeitraum von etwa 2 bis 6 Stunden an.

Diabetes mellitus: Der Name der Erkrankung stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt „honigsüßer Durchfluss“. Bereits im Altertum hatte man nämlich beobachtet, dass bei Diabetikern Zucker über den Urin ausgeschieden und nicht im Körper verwertet wird. Man unterscheidet zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes (sowie einigen weitere, seltenere Subtypen), die zwar in ihren Ursachen und Verläufen sehr unterschiedlich sind, sich aber beide durch einen gestörten Glukosestoffwechsel auszeichnen. Typische Symptome, die auf einen Diabetes mellitus hinweisen, sind starker Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust sowie Krankheits- und Schwächegefühl.

Fett-Protein-Einheiten (FPE): Viele Diabetiker müssen bei der Berechnung ihrer Insulindosis auch den Fett- und Eiweißgehalt ihrer Mahlzeit beachten. Denn auch Fett und Eiweiß (Protein) werden letztlich vom Körper in Glukose umgewandelt – nur dauert dieser Prozess bei ihnen deutlich länger als bei Kohlenhydraten. Wer also zum Beispiel bei einer Grillparty viel Fleisch isst und sich wundert, warum 5 bis 8 Stunden nach der Mahlzeit der Blutzucker ansteigt, obwohl die Kohlenhydrate im Essen korrekt abgedeckt wurden, der sollte sich mit der Berechnung von Fett-Protein-Einheiten (FPE) beschäftigen.

Folgeerkrankungen: Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel belastet die Blutgefäße und ist damit ein Risikofaktor für eine ganze Reihe von Folgeerkrankungen. Bei dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten werden zum einen die kleinen Blutgefäße in Mitleidenschaft gezogen und können zum Beispiel zu Schäden an der Netzhaut der Augen (diabetische Retinopathie) bis hin zur Erblindung führen. Wenn die kleinen Blutgefäße in den Füßen betroffen sind, kann dies zu Nervenschäden (diabetische Neuropathie) führen. Dann heilen auch Wunden schlechter als bei Stoffwechselgesunden und können zu einem diabetischen Geschwür (Ulkus) werden, das im schlimmsten Fall eine Amputation von Zehen oder des ganzen Fußes erforderlich macht. Auch die Gefäße der Nieren können durch hohe Zuckerwerte geschädigt werden, im schlimmsten Fall droht ein Nierenversagen. Weil dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte nicht nur die kleinen, sondern auch die großen Blutgefäße schädigen, haben Diabetiker ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Ob bei einem Diabetiker Folgeerkrankungen auftreten, hängt vor allem von seiner Blutzuckereinstellung ab, aber auch die körperliche Grundkonstitution spielt eine Rolle. Doch mit einer guten Blutzuckereinstellung hat auch ein Diabetiker hohe Chancen auf ein langes Leben ohne Folgeerkrankungen.

Glukagon: Glukagon ist der entscheidende Gegenspieler von Insulin. Während Insulin den Blutzuckerspiegel absenkt, sorgt Glukagon dafür, dass bei niedrigem Blutzuckerspiegel Glukose aus den Glykogenspeichern in Leber- und Muskelzellen freigesetzt wird. Manche Typ-1-Diabetiker tragen eine Notfallspritze mit Glukagon bei sich, mit der Ersthelfer ihnen im Falle einer schweren Unterzuckerung helfen können, den Blutzuckerspiegel rasch wieder zu stabilisieren.

Insulin: Insulin ist ein lebenswichtiges Stoffwechselhormon und wird in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet. Es wird bei steigendem Blutzuckerspiegel ausgeschüttet und fungiert als der Botenstoff, der den Brennstoff Zucker (Glukose) in die Körperzellen schleust und auf diese Weise den Blutzuckerspiegel senkt. Das Gehirn ist das einzige Organ, dessen Glukoseversorgung auch ohne Insulin funktioniert. Alle anderen Organe sind für ihre Funktion zwingend auf Insulin angewiesen.

Insulinpen: Nur noch wenige Diabetiker spritzen sich ihr Insulin mit konventionellen Spritzen und Nadeln. Sie nutzen vielmehr Insulinpens, die ähnlich wie ein Tintenfüller aussehen, aber statt einer Tintenpatrone eine Ampulle mit Insulin enthalten. Die jeweilige Insulindosis lässt sich mit einem kleinen Rädchen am Ende des Insulinpens einstellen. Bei manchen Insulinpens lassen sich auch Dosen von weniger als einer Insulineinheit (IE) einstellen, andere haben einen Speicher und zeigen den Zeitpunkt und die Dosis der letzten Insulingabe an oder lassen sich am Rechner auslesen. Zu einem Insulinpen gehören Einweg-Pennadeln, die in verschiedenen Längen und Stärken erhältlich sind. Damit wird das Insulin in das Unterhautfettgewebe gespritzt, in der Regel in den Bauch oder in den Oberschenkel.

Insulinpumpe: Eine Insulinpumpe ist ein kleines elektronisches Gerät, das über einen Schlauch und einen am Körper fixierten Katheter kontinuierlich voreingestellte Mengen Insulin in das Unterhautfettgewebe abgibt. Zu den Mahlzeiten kann der Pumpenträger je nach Bedarf einen einfachen, einen verzögerten oder einen gesplitteten Bolus abgeben. Dank der Insulinpumpe entfallen die mehrmals täglichen Injektionen mit dem Insulinpen. Es gibt verschiedene Gründe, die für eine Insulinpumpentherapien sprechen, in erster Linie ist sie aber dann sinnvoll, wenn der Insulinbedarf im Tagesverlauf sehr stark schwankt und eine gute Blutzuckereinstellung mit Insulinpens nicht gelingt.

Ketoazidose: Eine Ketoazidose (nicht zu verwechseln mit einer Ketose) ist eine gefährliche und manchmal sogar lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung. Zu ihr kommt es, wenn aufgrund eines absoluten Insulinmangels (etwa weil gar kein Insulin gespritzt wurde oder weil Insulinpumpe oder Katheter defekt sind) keine Glukose in die Zellen gelangt und der Blutzuckerspiegel dramatisch ansteigt. Um die gestörte Energieversorgung des Körpers zu kompensieren, wird in der Leber vermehrt Fett abgebaut. Deshalb zirkulieren immer mehr organische Säuren im Blut. Diabetiker mit einer Ketoazidose riechen infolge dieser Übersäuerung häufig stark nach Azeton (Nagellackentferner), sind oft nicht mehr ansprechbar, haben unerträglichen Durst oder erbrechen sich. Unbehandelt führt eine Ketoazidose ins diabetische Koma und letztlich zum Tod. Um eine solche Stoffwechselentgleisung zu behandeln, sind wesentlich höhere Insulindosen als normal notwendig.

Kohlenhydrate: Wer Diabetes hat, kommt nicht umhin, sich mit seiner Ernährung auseinanderzusetzen – insbesondere mit dem Kohlenhydratgehalt seiner Nahrung. Kohlenhydrate sind chemisch gesehen Saccharide, sprich Zucker. Sie sind aber nicht nur in zuckerhaltigen Lebensmitteln (zum Beispiel Süßigkeiten, Kuchen, Limonaden, Säfte oder Obst) enthalten, sondern in allen stärkehaltigen Lebensmitteln (in erster Linie also in Getreideprodukten, Nudeln, Reis und Kartoffeln, aber zu einem geringeren Anteil auch in Gemüsesorten wie Möhren, Kürbis, Pastinaken oder Hülsenfrüchte). Diabetiker berechnen den Kohlenhydratgehalt ihrer Nahrung entweder in Kohlenhydrateinheiten (KE), wobei 1 KE 10 Gramm Kohlenhydraten entspricht, oder in der älteren Einheit Broteinheiten (BE), bei der 1 BE 12 Gramm Kohlenhydraten entspricht. Nicht alle Kohlenhydrate werden gleich schnell verstoffwechselt, doch alle erfordern die Gabe von Insulin.

Typ-1-Diabetes: Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, deren genaue Ursache unklar ist. Wie aus heiterem Himmel wird im Immunsystem ein „Schalter“ umgelegt, so dass die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) als Fremdkörper angesehen und zerstört werden. Innerhalb meist recht kurzer Zeit produziert der Körper kein eigenes Insulin mehr, der Blutzuckerspiegel steigt stark an. Deshalb müssen Typ-1-Diabetiker mehrmals täglich Insulin von außen zuführen. Meist erkranken Menschen bereits im Kindes- und Jugendalter an Typ-1-Diabetes, es gibt aber Ausnahmen (mich eingeschlossen!), die erst im Erwachsenenalter erkranken.

Typ-2-Diabetes: Typ-2-Diabetes wurde lange Zeit „Altersdiabetes“ genannt, mittlerweile erkranken aber auch immer mehr jüngere Menschen daran. Ursache der Erkrankung ist eine genetische Veranlagung, die durch einen ungünstigen Lebensstil mit ungesunder Ernährung und zu wenig Bewegung begünstigt wird. Die Bauchspeicheldrüse eines Typ-2-Diabetikers produziert zunächst noch Insulin, doch die Körperzellen reagieren nicht mehr auf das Hormon (Insulinresistenz) und nehmen folglich die Glukose aus dem Blut nur unzureichend auf, so dass der Blutzuckerspiegel steigt. Der hohe Blutzuckerspiegel treibt die Bauchspeicheldrüse dazu, immer mehr Insulin zu produzieren, so dass sie auf Dauer erschöpft und ihren Dienst quittiert. Dann reichen Tabletten zur Therapie nicht mehr aus, und auch der Typ-2-Diabetiker muss Insulin spritzen. Wird ein Typ-2-Diabetes frühzeitig erkannt, muss es aber nicht so weit kommen: Wer seine Ernährung rechtzeitig umstellt und sich ausreichend bewegt, schont seine Bauchspeicheldrüse und kann um das Insulinspritzen und unter Umständen sogar um Tabletten (orale Antidiabetika) herumkommen.

Unterzuckerung: Wenn der Blutzuckerspiegel unter die kritische Grenze von etwa 50mg/dl absinkt, spricht man von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie). Bei den meisten Menschen (auch Stoffwechselgesunden) machen sich zu niedrige Blutzuckerwerte durch Schweißausbrüche und Zittern – und oft auch schon bei höheren Blutzuckerwerten – bemerkbar. Dann hilft es, schnell wirksame Kohlenhydrate (etwa in Form von Limonade, Fruchtsaft oder Traubenzucker) zu sich zu nehmen. Bei Diabetikern kann die Wahrnehmung einer Hypoglykämie gestört sein, sie spüren dann keine Symptome mehr („Hypo-Wahrnehmungsstörung“). Vor allem, wenn noch eine Insulindosis wirkt, die den Blutzuckerspiegel weiter absenkt, kann das gefährlich werden. Eine schwere Hypoglykämie kann zu Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma führen, unbehandelt auch zum Tod. Einem bewusstlosen Menschen mit einer Unterzuckerung sollte man keinen Zucker oder keine Flüssigkeit einflößen, denn sein Schluckreflex funktioniert dann nicht mehr und er könnte ersticken. In so einem Fall muss ein Rettungswagen gerufen werden, damit dem Patienten intravenös Glukose verabreicht wird.

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