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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

In meinem Täschchen wacht neuerdings ein kleiner Schutzengel über mein Insulin

Ein Kommentar

Insulin ist ein temperaturempfindliches Medikament, und deshalb sollte man darauf achten, dass es nicht zu kalt oder zu warm gelagert wird. Wer ganz sichergehen will, kann mit Medangel einen kleinen Schutzengel nutzen und via App die Temperatur seines Insulins überwachen. Ich habe den kleinen Sensor – Produkt eines Diabetes-Startups – nun ein paar Wochen lang getestet.

Ich bewahre meine Insulinvorräte im Butterfach des Kühlschranks auf. Fertig. Damit endet eigentlich mein Temperaturmanagement für Insulin. Wenn ich ein Rezept in der Apotheke einlöse und den Insulinvorrat auffülle, dann höre ich von dem Menschen hinter dem Apothekentresen gelegentlich den Rat, das Insulin am besten gleich nach Hause in den Kühlschrank zu bringen und nicht eine ganze Shopping-Tour lang in meiner Tasche mit mir herumzutragen. Ich habe auch schon einmal eine Apotheke erwischt, wo man mir das Insulin in eine kleine Thermo-Tüte gepackt hat, damit es den Nachhauseweg unbeschadet übersteht.

Es wäre doch unlogisch, wenn Insulin bei Körpertemperatur schlappmacht

Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich übertrieben. Denn ich lebe im moderat temperierten Norddeutschland, wo man beim Blick aus dem Fenster nicht immer zweifelsfrei sagen kann, in welcher Jahreszeit wir uns gerade befinden. Es ist weder sonderlich heiß, noch extrem kalt hier. In jedem Fall herrschen selten Temperaturen, die Insulin Schaden zufügen könnten. Dennoch nimmt die Angst vor der falschen Temperatur für’s Insulin bei manchen Leuten etwas groteske Züge an. Da lese ich in Facebook-Gruppen Posts von Diabetikern, die vor einer längeren Autofahrt (zum Beispiel in den Ferien von Hamburg nach Bayern) schlaflose Nächte haben, weil sie darüber rätseln, wie sie ihr Insulin während dieser anstehenden Fahrt gekühlt transportieren können. Oder von Leuten, die ihren Insulinpen nach jedem Schuss im Kühlschrank verstauen. Ich hingegen trage meinen Insulinpen mit seiner angebrochenen Ampulle in meinem Täschchen immer bei mir und halte mich definitiv nicht nur in drastisch heruntergekühlten Räumen auf. Nach dem Insulin-Shopping in der Apotheke nehme ich auch nicht immer den direkten Weg nach Hause. Und ich finde das okay und unbedenklich. Es wäre ja auch irgendwie unlogisch, wenn Insulin so schnell schlappmachen würde. Immerhin liegt unsere Körpertemperatur bei 37 Grad Celsius, und bei dieser Temperatur entfaltet Insulin auch im gesunden Organismus seine Wirkung.

Mit dem Insulin ist es ein bisschen wie mit dem Joghurt

Fakt ist: Die Insulinhersteller empfehlen, unangebrochene Insulinampullen gekühlt zu lagern, sprich bei einer Kühlschranktemperatur von 2 bis 8 Grad Celsius, es aber nicht einzufrieren. Angebrochene Ampullen sollen nicht mehr gekühlt und binnen vier Wochen aufgebraucht werden, allerdings sollten sie auch keinen sehr hohen Temperaturen (über 25 bis 30 Grad Celsius) ausgesetzt werden. Wenn ihr wissen wollt, welche Empfehlungen für eure jeweiligen Insulin gelten, dann könnt ihr das auf dem Beipackzettel in der Packung nachlesen, oder online z. B. hier herausfinden. Diese Empfehlungen haben in meinen Augen allerdings einen ähnlichen Charakter wie das Mindesthaltbarkeitsdatum auf einem Joghurt. Nur weil das Datum abgelaufen ist, heißt es ja noch lange nicht, dass der Joghurt deswegen ungenießbar oder gar schädlich wäre.

Schlechtes Insulin wird trübe oder zieht Schlieren

Ich verlasse mich beim Insulin wie beim Joghurt daher auch auf meine Beobachtung. Wenn sich beim Joghurt der Deckel wölbt, ist das ein schlechtes Zeichen. Wenn er normal aussieht und riecht, dann ist er vermutlich auch genießbar. Auch beim Insulin gibt es Hinweise, an denen man erkennen kann, dass es schlecht geworden ist. Insulin, das einmal Hitze abbekommen hat, bildet z. B. manchmal Schlieren oder sieht trüb aus. Doch selbst dann ist es nicht gefährlich, sich dieses Insulin zu spritzen. Es verliert ganz einfach mit der Zeit seine Wirkung, doch niemand fällt tot um, weil er sich altes, ungekürztes Insulin spritzt.

Eine einzige Ampulle Insulin entsorgt in sieben Jahren Diabeteskarriere

Mir ist es in meinen nun beinahe acht Jahren Diabetes ein einziges Mal passiert, dass Insulin trübe aussah und ich den Eindruck hatte, dass es nicht so gut wirkt wie sonst. Die Zuckerwerte kletterten nach dem Essen höher als erwartet, und ich musste beherzter korrigieren als sonst. Damals hatte ich dank einer gewissen verbliebenen Eigenproduktion von Insulin noch einen deutlich niedrigeren Insulinbedarf als heute und ernährte mich zudem recht konsequent kohlenhydratarm. Mit der Folge, dass eine Insulinampulle in der Regel viel länger als nur vier Wochen im Insulinpen blieb – ungekühlt wohlgemerkt. Als mir bei dieser einen Gelegenheit schwante, dass das Insulin schlecht sein könnte, entsorgte ich also die Ampulle und packte eine neue in meinen Pen. Fertig, Problem gelöst. Eine einzige möglicherweise verdorbene Ampulle in über sieben Jahren Diabeteskarriere ist in meine Augen ein akzeptabler Schnitt, zumal ich außer ein paar moderaten Ausreißern bei den Glukosewerten auch keinen Schaden davongetragen habe.

Diabetes-Startup Medangel: Schutzengel für temperaturempfindliche Medikamente

Ihr seht also: Ich bin in Sachen Insulintemperatur eher entspannt unterwegs und habe wenig Lust, mir darüber große Gedanken zu machen. Deshalb habe ich das Diabetes-Startup-Projekt Medangel bislang auch nur passiv beobachtet. Sein Gründer Amin ist ein supernetter Kerl, den ich von verschiedenen Blogger-Events kenne. Im Gegensatz zu mir hat er schon häufiger erlebt, dass die Hitze seinem Insulin zusetzt und es unbrauchbar macht. Er kennt auch Geschichten von Menschen, deren Kühlschrank zu kalt eingestellt war und denen deshalb unbemerkt das Insulin eingefroren ist. Deshalb hat er sich ein kleines Device ausgedacht, mit dem man die Temperatur von Insulin (oder anderen temperaturempfindlichen Medikamenten) ganz einfach überwachen kann. Beim EASD-Kongress in Lissabon nun drückte Amin mir ein Paket mit einem solchen Medangel in die Hand und bat mich, das Device einmal zu testen.

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Mein Medangel in seinem natürlichen Lebensraum, umgeben von Traubenzucker, Pennadeln und Desinfektionstüchlein…

Medangel = Temperatursensor + Batterie + Chip + App

Und so kam es, dass ich einen kleinen Schutzengel in meinem Diabetes-Täschchen deponierte, den ich eigentlich nicht benötige. Doch ich will denjenigen unter euch, die vielleicht häufiger durch die Sahara oder die Antarktis wandern (vielleicht reichen ja auch schon ein Club-Urlaub am Mittelmeer oder ein Skiurlaub) und in Sorge um ihr Insulin sind, gern einmal davon erzählen. Medangel ist also ein kleines, etwa 4 Zentimeter langes und 2,5 Zentimeter breites Gerät aus Kunststoff, das mit einem Temperatursensor, einer Batterie und einem kleinen Chip ausgestattet ist. Ich musste nur die Batterie einlegen, dann konnte es losgehen. Mein Exemplar habe ich in meinem Täschchen deponiert, damit ich die Temperatur des Insulins überwachen kann, das ich aktuell in Gebrauch habe. Es wäre aber ebenso denkbar, einen Sensor ins Butterfach des Kühlschranks zu packen – falls ich dem Temperaturregler meines Kühlschranks misstraue und die Vorräte besser unter Kontrolle haben möchte.

20 Grad Raumtemperatur: Alles ist gut bei Antjes Insulin

Zu dem Sensor gehört eine Smartphone-App, die ich mir im Appstore herunterladen und schnell und problemlos installieren konnte. Die übersichtlich gestaltete und intuitiv verständliche App wollte von mir wissen, welches Medikament ich verwende – sie verknüpft sich dann automatisch mit den im Beipackzettel hinterlegten Temperaturempfehlungen für eine große Zahl von Medikamenten, deren Namen mir überwiegend gar nichts sagten. Nun zeigt mir Medangel bei jedem Kontakt an, ob sich mein Fiasp aktuell wohlfühlt, sprich ob seine Umgebungstemperatur zwischen 2 und 30 Grad Celsius und damit im grünen Bereich liegt. Einzige Voraussetzung hierfür ist eine aktive Bluetooth-Verbindung zwischen Sensor und App. Bislang zeigte mir die App jedes Mal an, dass es Antjes Insulin gutgeht. Kein Wunder, bei einer Raumtemperatur von rund 20 Grad Celsius in meinem Heimbüro hat so ein Insulin in der Regel keinen Grund zu meckern. Entsprechend groß sind daher meine Kontrollintervalle: Maximal alle paar Wochen einmal schaue ich in die App, um doch wieder nur festzustellen, dass alles in Ordnung ist.

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Wie beruhigend: Meinem Insulin geht es gut.

Würde ich Medangel anderen Menschen mit Diabetes empfehlen? Nun, wer gegenüber der Insulinlagerung ein ähnliches Verhältnis wie zum Mindesthaltbarkeitsdatum bei Joghurt hat und zudem in der Regel nicht besonderen Witterungsverhältnissen ausgesetzt ist, der hat wohl kaum Lust, knapp 50 Euro für einen Medangel auszugeben. Wer aber häufig in Gegenden mit Extremtemperaturen unterwegs ist oder wer generell besorgter ist und lieber eine Sache mehr als weniger überwacht, für den könnte sich die Anschaffung eines kleinen Medangel lohnen. Einziges Manko für deutschsprachige Nutzer: Die Website und auch die App sind derzeit noch in Englisch gehalten, es gibt noch keine deutschsprachige Fassung. Doch das ist sicherlich nur eine Frage der Zeit.

Ich habe den Medangel unentgeltlich für einen Produkttest erhalten. Mein Blogbeitrag spiegelt meine eigene, vom Hersteller unbeeinflusste Meinung wider.

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Ein Kommentar zu “In meinem Täschchen wacht neuerdings ein kleiner Schutzengel über mein Insulin

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