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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Fahrradsturz, Flohbisse und Gelenkentzündung – das war dann wohl doch nichts mit meinem Hamburger Triathlon

4 Kommentare

Just in diesem Moment sollte ich eigentlich in Hamburg beim ITU Triathlon am Start sein. Und hatte ja auch trotz Schilddrüsen-Depression und Motivationsloch tapfer beschlossen, mich nicht von der Teilnahme abbringen zu lassen. Doch dann war noch an ein paar anderen Stellen der Wurm drin.

Es fing an mit unserem Urlaub am Gardasee, den mein Mann Christoph und ich aktiv gestalten und für Rennradausfahrten und Wandertouren nutzen wollten. Leider kam alles anders, denn ich erlebte dort meinen allerersten Sturz mit dem Rennrad. Der ereignete sich gleich am ersten Tag unseres Urlaubs am Gardasee, als wir unsere Rennräder geschnappt hatten, um zu einer ersten Erkundungstour aufzubrechen. Von unserem Wohnort Arco, ein paar Kilometer nördlich des Gardasees gelegen, nach Riva an der Nordspitze des Sees, von dort rüber nach Torbole und von dort über eine für mein norddeutsches Empfinden grausame Steigung von 12 Prozent hoch nach Nago. Soweit okay – wenn man mal davon absieht, dass ich die letzten paar hundert Meter der Steigung keine Lust hatte, im niedrigsten Gang auf dem kleinen Blatt meiner Gangschaltung zu hecheln und zu japsen, um mich mit mickrigen 9 km/h den Berg hochzuquälen. Da schiebe ich dann doch lieber und genieße die spektakuläre Aussicht.

10 Prozent Steigung? Langsam hochkrebsen im kleinsten Gang auf dem kleinen Blatt? Nö, dann schiebe ich lieber und genieße die Aussicht!

Beim Rennradfahren kommt es schnell zu unfallträchtigen Situationen

Von Nago ging es ein paar Kilometer lang beinahe ebenso steil wieder den Berg hinunter nach Vignole. Ich kann froh sein, dass ich nicht bei dieser Abfahrt gestürzt bin, denn dann hätte Christoph wir ganz sicher den Krankenwagen rufen und ich den Urlaub im Krankenhaus verbringen müssen. Wir fuhren vorsichtig, die Hände immer an den Bremsen und den Blick konzentriert nach vorn gerichtet. Verwegene Rennradler lachen vielleicht darüber, dass wir es dabei auf nur 42 km/h brachten, aber das stört mich nicht. Ich weiß, dass beim Rennradfahren sehr schnell unfallträchtige Situationen entstehen können, die einem keine Reaktionszeit lassen. Ich scheue mich deshalb vor Rennradausfahrten in größeren Gruppen, in denen man dicht an dicht radelt, und in denen im Falle eines Sturzes gleich der ganze Pulk ins Schlingern geraten kann. Einen Startplatz zu den Hamburger Cyclassics, bei denen ich 2015 eigentlich antreten wollte, verkaufte ich kurz vorher aus genau dieser Angst heraus via Ebay Kleinanzeigen.

„Lass uns vorsichtig fahren, die Straße könnte glitschig werden!“

Von Vignole aus steuerten Christoph und ich kurz über Bolognano in Richtung des Santa Barbara-Passes, der über Serpentinen mit noch viel ungemütlicherer Steigung nach Monte Velo führt. Christoph wollte einmal austesten, ob und wie er mit der Steigung klarkommt. Ich für meinen Teil war froh, dass nach einem leichten Zucker-Sinkflug nach der ersten heftigen Steigung dank einem Sport-Gel und einem Stück Haferkeks mein Zucker wieder im Lot war. Also wartete ich an einer Straßenecke auf Christoph, bis er genug vom Bergaufradeln hatte, was zum Glück nicht allzu lange dauerte. Es regnete leicht, doch es war ein angenehm abkühlender Sommerregen, der die Schwüle etwas besser erträglich machte. Dennoch mahnte Christoph: „Lass uns vorsichtig fahren, die Straße könnte glitschig werden!“ Logisch, ich gehe auf dem Rennrad doch nie ein unnötiges Risiko ein!

Ein Nasenkribbeln wie es immer dann kommt, wenn man grad keine Hand frei hat

Gemeinsam machten wir uns auf den Heimweg, ich fuhr vorweg. Schon beim Anfahren bemerkte ich ein leichtes Kribbeln an der Nase. Eines von der Sorte, das immer dann einsetzt, wenn man die Supermarkteinkäufe nach Hause trägt und gerade keine Hand frei hat – ihr kennt das vermutlich. Ich mochte nicht anhalten wegen dieses albernen Kribbelns und überlegte, ob ich es riskieren könnte, kurz eine Hand vom Lenker zu nehmen, um mich an der Nase zu kratzen, oder ob ich das Kribbeln lieber ignorieren sollte. Nun, ich traf blöderweise die falsche Entscheidung. Kaum hatte ich die rechte Hand kurz vom Lenker genommen, geriet mein Vorderrad auf dem unruhigen Asphalt aus der Bahn, drehte sich schlagartig und ließ mich links vornüber fliegen. Der Sturz fühlte sich an wie in Kindertagen, als Knie und Ellbogen noch viel häufiger Kontakt mit der Straße aufnahmen. Ich lag auf der linken Seite, den linken Arm angewinkelt von mir gestreckt. Der Unterarm bis zum Ellenbogen brannte, die linke Hüfte schmerzte. Ich dachte nach und versuchte, mit allen Körperteilen Kontakt aufzunehmen, zu schauen, ob sie noch ein Signal geben. Es schien alles dran zu sein. Ich fing an zu wimmern und überlegte, welche Sorte und Lautstärke Wimmern der Situation angemessen wäre. Gleichzeitig dachte ich mir: „Wenn ich über solche Dinge noch nachdenken kann, kann mein Kopf eigentlich keinen Schaden genommen haben.“ Auf einmal war Christoph über mir, der zum Glück mit ausreichend Abstand von mir gefahren war und problemlos anhalten konnte. Auch das Auto, das hinter uns gefahren war, bremste rechtzeitig.

Einfach am Straßenrand liegenbleiben und ausruhen

Christoph sprach mich an: „Kannst du reden? Sag mal was! Wo tut es weh?“ Er absolviert regelmäßig Kurse in Erste Hilfe und weiß ziemlich gut, worauf im Umgang mit verletzten Personen zu achten ist. Als er sah, dass ich ansprechbar bin und recht normal antworten konnte, holte er schnell mein Fahrrad von der Straße, das auf unerklärliche Weise allein auf die Gegenfahrbahn gelangt war und dort den Verkehr blockierte. Innerhalb kürzester Zeit waren wir von einem halben Dutzend besorgter und hilfsbereiter Italiener umringt. Weil ich noch einen Moment liegenblieb, boten sie an, einen Krankenwagen zu rufen. Ich wäre gern noch ein wenig liegengeblieben um mich auszuruhen, doch ich verstand, dass die Leute sich dann sehr viel mehr Sorgen als nötig gemacht hätten. Als Christoph mir beim Aufstehen half, wurde mir allerdings ein wenig schwummerig und ich legte mich gleich wieder hin, dieses Mal an den Straßenrand. Eine Italienerin hielt ihren Regenschirm über mich, eine andere bot erneut an, einen Krankenwagen zu rufen, zwei junge Leute waren von ihren Vespas gestiegen und schauten besorgt.

Auf in die Bar zum Espresso trinken und Wunden inspizieren

Christoph sagte: „Lass uns bitte mal deinen Zucker messen!“ Ach ja, Zucker, da war ja noch was… Zum Glück war das Lesegerät meines Freestyle Libre in der Rückentasche meines Radtrikots beim Sturz unversehrt geblieben, ebenso wie mein iPhone und mein Insulinpen. Christoph scannte den Zuckerwert, er lag bei 178 mg/dl. „Diabetica!“, erklärte er den Umstehenden, und sie akzeptierten es als Universalerklärung für so ziemlich alles, was da gerade schiefgegangen war: „Ahh, diabetica!“ Für einen Krankenwagen sah ich immer noch keine Notwendigkeit, aber ich nahm das Angebot einer Dame an, mich bis zur Bar an der nächsten Ecke zu nehmen, damit ich erst einmal einen Espresso trinken kann. Christoph kam mit den Rädern nach, und bei einem Espresso und einem Wasser inspizierten wir meine Wunden. Die Verletzung am linken Unterarm war nur eine oberflächliche Schürfwunde, die Haut an der linken Hüfte war unter der Radhose leicht aufgeschürft. Ansonsten fand ich diverse Stellen an meinen Beinen, die farbenfrohe Blutergüsse in Aussicht stellten. Das linke Schulterblatt schmerzte ebenso der Brustkasten unterhalb der Brust, meine ganze Karosserie fühlte sich verzogen an.

Autsch! Schürfung am Unterarm, Prellung am Oberschenkel – und der Fahrradsattel hat auch was abbekommen!

Künftig lasse ich die Hände am Lenker und steige zum Nasenkratzen lieber ab

Der 1,5 Kilometer lange Heimweg zu Fuß ging dennoch erstaunlich gut, und auch mein Zucker machte keine Mucken, sondern stellte sich angesichts der anderen Baustellen brav hintenan. Erst zu Hause, als ich mich mühsam aus meinen Klamotten schälte um zu duschen und meine Wunden zu verarzten, zeigte das Lesegerät 201 mg/dl mit stark steigender Tendenz an. „Jetzt bin ich auch wieder dran“, schien mir mein Zucker sagen zu wollen. Christoph umsorgte mich mit Pflastern und einem schönen Essen. Ich fragte ihn: „Auf einer Skala von eins bis zehn, wie besorgt warst du, als du mich auf der Straße liegen sahst?“ Er antwortete: „Ungefähr sieben bis acht. Ich wusste, dass wir zum Glück nicht schnell unterwegs waren, da konnte nicht viel Ernstes passiert sein.“ Ich fragte: „Und wie froh bist du auf einer Skala von eins bis zehn, dass mir nichts Ernstes passiert ist?“ – „175“, meinte er. Und ich versprach, künftig die Hände immer am Lenker zu lassen und zum Nasekratzen lieber anzuhalten. Am nächsten Tag, als wir auf’s Auto umstiegen um die Gegend weiter zu erkunden, zündeten wir ganz gegen unsere sonstige Gewohnheit in einer Kapelle eine Kerze an und hielten einen Moment dankbar inne.

IMG_4494Wir sind überhaupt nicht religiös, aber es war uns ein Bedürfnis, eine Kerze anzuzünden und dankbar innezuhalten

In der durchgelegenen Matratze der Ferienwohnung hatten sich Flöhe eingenistet

Von meinem Sturz erholte ich mich zwar recht gut, war für den restlichen Urlaub aber trotzdem deutlich ruhebedürftiger als sonst. Leider gelang im Bett unserer – ansonsten wirklich tollen – Ferienwohnung das Ausruhen kaum. Denn in der durchgelegenen Matratze fortgeschrittenen Alters hatten sich offensichtlich Flöhe eingenistet. Anfangs hielt ich deren Biss noch für Mückenstiche. Doch die Art, wie sie nach ein paar Tagen Quaddeln bildeten und von Tag zu Tag stärker juckten, machte mich misstrauisch. Am Ende unseres einwöchigen Urlaubs in Arco waren meine Arme und Beine übersät mit heftig juckenden Quaddeln, die mich schier in den Wahnsinn trieben und erst gut zehn Tage später vollständig abgeheilt waren. Typisch für Flohbisse ist übrigens, dass sie als „Straßen“ oder in kleinen Grüppchen auftreten, weil Flöhe gern vor dem eigentlichen Blutsaugebiss ein paar „Probebohrungen“ durchführen. Zum Glück sind Menschenflöhe umgebungsgebunden und nicht wirtsgebunden, wie es im Fachjargon heißt, den ich mir in Windeseile auf Seiten wie Flohbisse.com, Flohbisse.info oder Insektenstiche.info anlas. Genauso wie mein abgebildetes Bein sahen übrigens meine Arme, Hände und sogar eine Fußsohle aus.

IMG_4541Dicker blauer Fleck vom Fahrradsturz, gepaart mit Flohbissen. Schöne Beine gehen anders!

Geschwollenes Handgelenk und heftige Schmerzen bei kleinster Bewegung

Seit meinem Urlaub habe ich wegen all dieser Malaisen noch nicht wieder Laufen trainiert, geschweige denn im Rennradsattel gesessen. Den Triathlon hatte ich sowieso schon abgeschrieben. Doch das alles reichte meinem Körper offenbar noch nicht, um mir zu verstehen zu geben, dass er sich Ruhe und Erholung wünscht. Gestern überfiel mich aus ziemlich heiterem Himmel auch noch eine Entzündung im rechten Handgelenk. Es hatte am Vorabend ohne ersichtlichen Anlass begonnen, ganz leicht zu schmerzen. Am Nachmittag dann – wir tummelten uns gerade beim Sommerfest von Christophs Firma im Hamburger Naturbad Kiwittsmoor – schwoll das Handgelenk auf einmal massiv an und schmerzte so stark, dass ich nicht einmal mehr den Auslöser der iPhone-Kamera betätigen konnte, um ein paar Fotos vom Sommerfest zu schießen.

Gelenkentzündung wegen Überlastung oder auch der Schilddrüse, wer weiß…

Wir fuhren in die Notaufnahme des benachbarten Heidberg-Kranken, wo es eine kassenärztliche Notfallpraxis der KV Schleswig-Holstein gibt. Tolle Einrichtung übrigens, ich kam sehr flott dran und wurde von einem sehr freundlichen und vertrauenerweckenden Allgemeinmediziner untersucht, der die Diagnose „Gelenkentzündung“ stellte. Als Ursache vermutete er Überlastung (zu viel getippt in der Arbeitswoche? Glaube ich eigentlich nicht, ich habe nur mein normales Pensum gearbeitet…), doch als ich ihm von meinem autoimmunen Neuzugang in puncto Schilddrüse erzählte, meinte er, auch Gelenkbeschwerden könnten im Zuge von Schilddrüsenfehlfunktionen durchaus vorkommen. Was auch immer die Ursache sein mag: Das rechte Handgelenk musste erst einmal ruhiggestellt werden, bekam einen Voltaren-Salbenverband, und ich dazu ein Rezept für Ibuprofen 600. Letzteres soll das akute Entzündungsgeschehen bekämpfen und tut wirklich gute Dienste. Die Schmerzen sind schon deutlich erträglicher geworden, ich kann mir mein Insulin wieder selbst mit der rechten Hand spritzen, und iPhone-Fotos kann ich auch schon wieder schießen:

IMG_4657

Nur an den heutigen Triathlon sollte ich angesichts dieser gesundheitlichen Pechsträhne nun wirklich keinen Gedanken mehr verschwenden. Allen Startern wünsche ich aber viel Spaß, einen verletzungsfreien Wettkampf und tolle sportliche Erfolge!

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4 Kommentare zu “Fahrradsturz, Flohbisse und Gelenkentzündung – das war dann wohl doch nichts mit meinem Hamburger Triathlon

  1. Gute Besserung! Mit Flohbissen hatte ich auch mal zu tun, als zu Studiumszeiten ein Exfreund drauf bestand, ein scheinbar gut erhaltenes Bettsofa, das auf der Straße rumstand, in seine Wohnung zu schleppen… es juckt wie Sau, und die „Biss-Straßen“ habe ich damals auch kennengelernt. Allerdings brachte ich sie anscheinend nach Wochenende in der Wohnung des Ex auch in meine Wohnung mit, aber es war damals schon die Vermutung, dass es Hunde- oder Katzenflöhe waren, die in Ermangelung von Hund und Katze sich auf uns Menschen gestürzt hatten… ein freundlicher Arzt gab mir netterweise ein Rezept für ein Draufschmierzeug gegen Juckreiz, das auch bei Windpocken verschrieben wird.

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  2. Oh man, da mag man ja gar nicht auf gefällt mir klicken. 🙄 Hoffentlich geht es dir bald wieder besser. Liebe Grüße aus der Nachbarschaft von Andrea

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  3. Och Mensch Antje, dass auf dich aus und gönn dir die Ruhezeiten. Liebe Grüße

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  4. Pingback: Gastbeitrag von Tina Röpke: „Ein Sieg gegen mich… es geht mehr als gedacht!“ | Süß, happy und fit

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