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Hashimoto? Basedow? Oder doch wieder Hashimoto? Meine Schilddrüse nervt und deprimiert mich!

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Eine Freundin von mir, von Haus aus Biologin, sagte einmal zu mir: „Ich finde Hormone unheimlich. So winzige Mengen, die einen riesigen Effekt haben!“ Im Moment bekomme ich gerade hautnah zu spüren, was an dieser Aussage dran ist. Denn meine Schilddrüse benimmt sich daneben, und vor allem die psychischen Symptome machen mich fertig.

Ich hatte ja vor einer Weile hier geschrieben, dass nach meiner Bauchspeicheldrüse nun auch die Schilddrüse Opfer meines fehlgesteuerten Immunsystems geworden ist. Doch was nun genau hinter meinen Schilddrüsenwerten steckt, ist immer noch nicht so ganz raus. Nach dem Schilddrüsen-Ultraschall tippte mein Diabetologe zunächst auf eine sich anbahnende Hashimoto-Thyreoiditis, die zu Beginn häufig mit einer Überfunktion der Schilddrüse (ach nein, ich wollte doch immer Schulddrüse sagen!) einhergeht. Doch dann kamen die nächsten Blutwerte und stifteten weitere Verwirrung.

Morbus Basedow oder Hashimoto? Über- oder Unterfunktion?

Auf einmal waren nämlich zwei Sorten Antikörper in meinem Blut aktiv. Zum einen TPO-Antikörper, die in der Regel auf eine Hashimoto-Thyreoiditis hindeuten, sprich eine autoimmun bedingte Unterfunktion. Gleichzeitig aber auch TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK), die auf einen Morbus Basedow hindeuten, eine autoimmun bedingte Überfunktion der Schilddrüse. Unter- und Überfunktion gleichzeitig ist für mich schwierig vorzustellen, und auch meinem Diabetologen war die Konstellation nicht ganz geläufig, sodass er einen Termin beim Endokrinologen vorschlug.

Auf einmal keine TRAK mehr im Blut und doch wieder Verdacht auf Hashimoto

Nach viel Hin und Her hatte ich nun am vergangenen Freitag einen Termin im Endokrinologikum Hamburg zur Abklärung der ungewöhnlichen Antikörperbefunde. Der Arzt dort studierte die Befunde, die mein Diadoc ihm übersandt hatte und erklärte mir, es sei nicht außergewöhnlich, dass beide Antikörper (TPO-Antikörper und TRAK) gleichzeitig vorliegen. Doch immer, wenn TRAK nachgewiesen würden, müsse man von einem M. Basedow ausgehen und das Problem auch als solchen behandeln. Er stellte mir schon einmal ein Rezept für Thiamazol aus – ein Thyreostatikum, das die Schilddrüsenfunktion drosselt, wollte die Dosierung aber erst nach den neuen Laborergebnissen mit mir besprechen. Ultraschall: Nichts wirklich Überraschendes. Blutentnahme: drei große und zwei kleine Röhrchen voll fürs Labor. Gestern nun sein Anruf: Es sind keine TRAK mehr im Blut, die Befunde sprechen also doch wieder für einen beginnenden Hashimoto. Da meine aktuelle Schilddrüsenüberfunktion aber behandlungsbedürftig ist, soll ich bis auf Weiteres täglich 10 mg Thiamazol einnehmen.

Es ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera

Nun könnte ich mich eigentlich freuen, denn ein Hashimoto scheint mir zumindest nach allem, was ich zwischenzeitlich darüber gelesen habe, irgendwie pflegeleichter als ein Basedow zu sein. Aber im Grunde ist es dann doch die Wahl zwischen Pest und Cholera, also nicht wirklich beglückend. Zumal ich mittlerweile Symptome verspüre, die mich extrem irritieren. Ich leide zwar zum Glück nicht unter Herzrasen und Schlaflosigkeit wie viele andere Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion. Doch als ich beim Stöbern im Netz auf diese Seite www.morbusbasedow.de stieß, war das eine kleine Offenbarung für mich. Hier mal ein Zitat:

Durch das Übermaß an Schilddrüsenhormonen fühlt er sich gleichermaßen angetrieben und erschöpft. Er sehnt sich nach Ruhe, kann aber andererseits nicht untätig sein. Seine Gedanken überschlagen sich. Manche Menschen sind in dieser Phase sehr produktiv. Gleichzeitig fällt es immer schwerer, eine Arbeit konzentriert zu Ende zu bringen. Die Eindrücke der Außenwelt werden intensiver wahrgenommen. Die emotionale Schwankungsbreite nimmt zu. Oft sind die Erkrankten reizbar aufbrausend, unausgeglichen und empfindlich. Gelegentlich können sogar Wutanfälle auftreten.

Ich starre Löcher in die Luft und bin frustriert angesichts meiner Unproduktivität

Diese Beschreibung trifft tatsächlich momentan ziemlich gut auf mich zu. Wüsste ich nicht, dass es in meiner Schilddrüse rumort, würde ich auf einen beginnenden Burnout tippen. Gerade die vergangene Woche, als zu allem Überfluss auch noch mein Mann Christoph auf Dienstreise war und ich mit meinen vielen Gedanken mehr oder minder allein war, habe ich als ziemlich schrecklich empfunden. Mein Schreibtisch war (und ist es noch…) voll, doch es gelang mir nicht, mich auf die Arbeit zu konzentrieren bzw. überhaupt nur zu entscheiden, welche Punkte von meiner Liste ich als erste in Angriff nehmen sollte. Ich fing dies an, wurde von jenem abgelenkt, starrte Löcher in die Luft, war zunehmend frustriert angesichts meiner Unproduktivität.

Panik und Angst bei den nichtigsten Auslösern

Schon die kleinsten Auslöser reichten aus, mich zur Verzweiflung zu treiben. Die Tatsache, dass ich für eine Runde Laufen draußen meine Schuhbänder zubinden müsste, erschien mir wie ein unüberwindbares Hindernis. Als ich via Skype mit Christoph telefonieren wollte und mir zunächst mein Passwort zum Einloggen bei Skype nicht einfiel, war ich den Tränen nah. Ich ließ einen Abendtermin sausen, weil das Navi mich kurz vor dem Ziel blöderweise in eine Sackgasse führte und ich auf einmal das übermächtige Gefühl hatte, dass es mir unmöglich gelingen würde, dort anzukommen. Ich drehte um und fuhr die 20 Kilometer zurück nach Hause, nicht ohne dass mir mein Verhalten vor mir selbst unendlich peinlich gewesen wäre. Alles war zuviel, alles zu laut, alles zu hell, Angst bei den nichtigsten Auslösern.

Ich bin nicht gern untätig und erkenne mich zurzeit selbst nicht wieder

Ich erkannte mich gar nicht wieder, und das war vielleicht das Schrecklichste an der Sache. Normalerweise bin ich ein sehr positiver Mensch – ihr wisst schon, einer, für den das Glas immer halb voll ist und nicht halb leer. Und ich bin ein produktiver Mensch, liebe meine Arbeit und habe meinen Alltag überwiegend gut im Griff. Ich produziere ein vierteljährliches Magazin für niedergelassene Chirurgen, betreue die Online-Nachrichten des dazugehörigen Chirurgen-Berufsverbands, schreibe für die Diabetes Zeitung der DDG, für Focus Diabetes, für die Blood Sugar Lounge, für die Medi Times, für das Hamburger KV Journal, für Industriekunden. Ich betreue ehrenamtlich die Homepage des Willkommensteams für Flüchtlinge in Elmshorn und pflege meine beiden Blogs „Süß, happy und fit“ und „Elmshorn für Anfänger“. Ich trainiere für den nächsten Triathlon (okay, momentan nicht so viel…) und mache Bauchtanz. Beim Fernsehen stricke ich für mein Enkelkind, ich koche und backe gern, im Keller habe ich ein kleines Atelier für Malerei und Mosaikarbeiten, im Sommer bossele ich im Garten herum. Ich bin nicht gern untätig, wie man aus dieser Aufzählung gern herauslesen kann. Und normalerweise stresst mich dieses Pensum nicht – im Gegenteil, es lädt mich mit Energie auf.

Schmerzen am rechten Fuß und in der rechten Hand

Doch seit einer Weile klappt all das nicht mehr gut. Ich verliere den Überblick über meine Aktivitäten, kann nicht priorisieren, mich nicht aufraffen. Ich sehne mich nach einem ganz anderen Leben und verharre doch untätig in meinem Elend. Soweit die psychischen Symptome, die mich zurzeit ängstigen. Hinzu kommen ein paar körperliche Probleme, die mich nervös machen. So habe ich seit einer Weile Schmerzen im rechten Fuß, derzeit vor allem in den Zehengrundgelenken. Der Schmerz strahlt bis in die rechte Fußkante aus, oft kribbeln die Fußsohlen als seien sie eingeschlafen. Es tut weh, wenn ich mich in den Zehengang erhebe; wenn ich mich aus dem Sitzen erhebe, komme ich erst nach ein paar Schritten richtig in den Tritt. Nun sind diese Symptome am Fuß ein wenig abgeklungen, tauchten aber gleich analog dazu an der rechten Hand auf. Wenn ich ein Glas aufschrauben oder einen Shampoorest aus der Flasche drücken oder ein Stück Käse abschneiden will, tut mir die Hand weh. Als konsequente Rechtshänderin ist es für mich nicht leicht, diese Alltagshandgriffe mit links durchzuführen. Auch diffuse Muskel- und Gelenkschmerzen können, wie ich gelesen habe, auf eine Schilddrüsenüberfunktion zurückzuführen sein. Das nächtliche Schwitzen, mit dem ich seit ein paar Monaten zu tun habe und das ich mir zunächst mit möglicherweise beginnenden Wechseljahren erklärt hatte, ist dagegen ein Klacks.

Zum Glück ist seit Samstag Christoph wieder zurück. Er ist mein Ruhepol, der mich auffängt und mir – wie schon bei meiner Diabetesdiagnose – einfach sagt: „Wir schaffen das, ich bin ja auch noch da!“ Das tut gut, es geht mir seitdem wieder etwas besser. Seit gestern nehme ich nun Thiamazol und hoffe, dass sich diese unangenehmen, lähmenden und beängstigenden Symptome bald legen werden. Ob die Diagnose am Ende dann Hashimoto oder Basedow lauten wird, ist mir eigentlich egal. Doch bei den vierwöchentlichen Blutkontrollen, die in nächster Zukunft für mich anstehen, sollte man doch irgendwann einmal zu einer klaren Diagnose kommen, oder? Bitte drückt mir die Daumen, dass ich ganz bald wieder „die Alte“ bin!

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8 Kommentare zu “Hashimoto? Basedow? Oder doch wieder Hashimoto? Meine Schilddrüse nervt und deprimiert mich!

  1. ….ufff, die drück ich dir!!!

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    • Dankeschön… Nach 5 Tagen Thiamazol geht es mir psychisch schon deutlich besser. Ob’s der Placebo-Effekt ist oder echt, ist mir wurscht. Hauptsache bessere Stimmung. 🙂

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  5. Hi Antje,

    ich habe auch Typ 1 Diabetes und Hashimoto. Wichtig bei einem Hashimoto Schub oder wenn’s aus dem Ruder läuft ist – zumindest bei mir – einfach auf seinen Körper zu hören und zu schauen was einem gut tut. Was mir sehr hilft ist zu meditieren. Hast du das mal probiert?

    Liebe Grüße aus Frankfurt,
    Corinna | http://www.schuesselglueck.de

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    • Liebe Corinna, noch bin ich ja nicht wirklich im Hashimoto angelangt, gerade ist erst die zweite Phase (Ende der Überfunktion) eingeläutet. Aber ich merke natürlich, dass es mir guttut, einen Gang runterzuschalten und einfach mal zu relaxen. Ich hoffe, dass sich das bald einpendelt, wenn es denn demnächst in die Unterfunktion geht… LG Antje

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