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Pleiten, Pech und Pannen: Als Queen of Schussel beim Diabetes-Kongress der DDG

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Hinter mir liegt eine volle Woche. Von Dienstagmittag bis heute Mittag war ich quasi nonstop beim Jahreskongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Hamburg, von der ich für eine Reihe von Fachpublikationen, für die Blood Sugar Lounge und last but not least für euch Blogleser berichten werde. Wenn ich mich nicht wieder verschussele wie in den vergangenen Tagen. Da habe ich in Sachen Zerstreutheit nämlich Rekorde gebrochen.

Mein Geschussel fing damit an, dass ich am Mittwoch am Bahnhof Dammtor ausstieg, den Bahnhof verließ und gewohnheitsmäßig rechts in Richtung Congress Centrum Hamburg (CCH) abbog. Ich wusste zwar, dass das CCH derzeit komplett saniert wird und hatte mich auch im Vorfeld insgeheim gefragt, in welchem Flügel angesichts der umfassenden Baumaßnahmen wohl der DDG-Kongress stattfinden würde. Doch ich war nicht auf die Idee gekommen, einfach mal auf der Kongress-Homepage nachzuschauen, wo die Veranstaltung denn nun tatsächlich stattfinden soll.

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Also hier findet der DDG-Kongress schon einmal nicht statt!

Man hätte damit rechnen können, dass der Kongress in den Messehallen ist

Mit dem Effekt, dass ich auf der Suche nach einem Eingang zum CCH immer am Bauzaun entlang einmal das gesamte Areal umrundete und innerlich fluchte: „Wieso haben die das nicht mal ausgeschildert, wo der vorübergehende Eingang zum CCH ist? Da werde ich mich gleich am Infoschalter mal beschweren, das gibt’s doch wohl nicht!“ Irgendwann fragte ich entnervt ein paar Gartenarbeiter, die gerade in ihrem Gefährt ein Päuschen einlegten und Butterbrote futterten. „Das CCH wird doch umgebaut! Der Diabetes-Kongress findet in den Messehallen statt!“ Darauf hätte man kommen können. Ich hetzte durch den Botanischen Garten in Richtung Messe und erreichte mit einiger Verspätung die erste Sitzung. Peinlich, peinlich…

Ich packe meinen Rucksack und ich nehme mit…

Doch es kam noch besser. Am Donnerstag hatte ich einen rappelvollen Terminkalender: Die erste Vortragssitzung begann um 8:00 Uhr, nonstop gefolgt von weiteren Sitzungen bis 17:00 Uhr. Danach waren Christoph und ich für den Diabeteslauf angemeldet. Weil ich für dieses stramme Programm schon um 5:30 Uhr aufstehen musste (ich wohne ja ca. 35 Kilometer außerhalb von Hamburg in Elmshorn), packte ich meinen Rucksack schon am Vorabend und war mächtig stolz, dass ich an alles gedacht hatte: Kongress-Batch für die Einlasskontrolle, ausreichend Papier und Kugelschreiber zum Mitschreiben, ein aufgeladenes iPhone samt eines aufgeladenen (!) Powersticks (an den denke ich sonst nie rechtzeitig und ärgere mich dann, wenn der Akku meines iPhones vorzeitig schlappmacht, weil ich so viele Vortragsfolien fotografiere und dabei die Kamera im Standby-Modus halte), Sportklamotten für den Lauf. Perfekt!

Christoph war so lieb, morgens um halb sechs mit mir aufzustehen, mir Frühstück zu machen und mich danach zum Bahnhof zu fahren, obwohl er eigentlich den Feiertag hätte genießen und ausschlafen können. Er war erst gegen Mittag in Hamburg mit zwei Sportfreunden zu einer längeren Ausfahrt mit dem Rennrad verabredet und wollte danach mit den beiden zum Kongressgelände kommen und ebenfalls am Diabeteslauf teilnehmen. Ich fuhr mit der Regionalbahn nach Hamburg, nahm dieses Mal den richtigen Weg durch den Botanischen Garten Richtung Messehallen (und entdeckte sogar ein paar – handgeschriebene – Hinweisschilder, die Ortsunkundige zum DDG-Kongress lotsen sollten. Wahrscheinlich hatten die am Mittwoch auch schon dort gehangen…

Soll ich in der Industrieausstellung um Messgerät und Insulin betteln gehen?

Immerhin war ich am Donnerstag pünktlich. In den Messehallen angekommen, griff ich in meinen Rucksack, um im Kongressprogramm nachzuschauen, in welchen Vortragssaal ich als erstes gehen muss. „Check auch kurz noch mal deinen Glukosewert“, dachte ich mir und tastete im Rucksack nach meinem Diabetestäschchen, in dem ich das Lesegerät für meinen Freestyle Libre-Sensor, aber auch meine beiden Insulinpens, Pennadeln und Traubenzucker aufbewahre. Das Täschchen war nicht da! Ich hatte an jedes kleine Detail inklusive Powerstick gedacht, aber nicht an meine Diabetes-Utensilien! Eine kleine Panikattacke machte sich breit. Kurz überlegte ich, in der Industrieausstellung von Stand zu Stand zu wandern und um ein Blutzuckermessgerät und Insulin zu betteln. Ein Messgerät hätte man mir vermutlich spendiert, doch ob ich ohne Weiteres Insulin (immerhin ein verschreibungspflichtiges Medikament) bekommen hätte, vermag ich nicht zu sagen.

Ich kramte also mein Telefon hervor und rief zerknirscht Christoph an: „Duhuuuuu… ich habe mein Diabetestäschchen vergessen!“ Mein weltbester Ehemann aller Zeiten machte mir keine Vorwürfe, quatschte auch nicht lange herum, sondern stieg ins Auto, fuhr eine gute halbe Stunde von Elmshorn nach Hamburg und brachte mir mein Täschchen. Um anschließend wieder nach Hause zu fahren, sein Rennrad und seine für die Radausfahrt benötigten Sachen zu packen und wieder nach Hamburg zu fahren. Ein entspannter Feiertag sieht irgendwie anders aus…

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Freitag gelang es mir, alles halbwegs richtig zu machen: Ich ging an den richtigen Ort und hatte mein Diabetestäschchen nebst aller anderen wichtigen Utensilien dabei. Ich verpasste nur eine Durchsage, in der auf eine Raumänderung hingewiesen wurde, so dass ich eilig von Messehalle A1 in Halle A3 flitzen musste, wo meine Sitzung stattdessen stattfinden sollte. Sowas kann ja nun wirklich jedem passieren.

Na, was hast du dieses Mal vergessen?

Dafür schöpfte ich heute noch einmal aus dem Vollen: Wieder war Christoph so lieb, mich morgens zum Bahnhof zu fahren. Ich hatte vorsichtshalber gecheckt: Ich hatte mein Diabetestäschchen definitiv dabei, also alles gut. Kaum hatte ich mich von meinem Mann verabschiedet, die Autotür geschlossen und ihn wegfahren gesehen, griff ich in meinen Rucksack, um mein Portemonnaie hervorzukramen, damit ich mir eine Fahrkarte kaufen konnte. Mein Portemonnaie? Oh nein, das hatte ich am Vorabend aus dem Rucksack geholt und nicht wieder eingepackt! Was für ein Bullshit! Ich rannte Christoph in seinem Auto hinterher, winkte und wedelte wild, doch er sah mich nicht. Meist nimmt er für so kurze Wege sein Telefon nicht mit, doch ich versuchte es trotzdem und rief ihn an. Er ging ran und sagte nur: „Na, was hast du dieses Mal vergessen?“ Zum Glück war er erst 200 Meter vom Bahnhof entfernt, drehte schnell um und gab mir Geld. Ich sprintete zum Zug und ärgerte mir angesichts von so viel Schusseligkeit das nächste Loch in den Bauch. Ganz offensichtlich brauche ich zum Überleben nicht nur Insulin, sondern auch einen persönlichen Assistenten, der mir Dinge hinterherträgt.

Einen Moment in den Sessel setzen und überlegen, ob alles eingepackt ist

Oder vielleicht brauche ich einen Sessel? Nach drei derartigen Fehlleistungen in so kurzer Folge fiel mir nämlich eine lustige kleine Anekdote mit meinem Sohn ein, die sich in meiner Familie zum geflügelten Wort entwickelt hat. Mein Sohn war mit etwa acht Jahren (genau genommen eigentlich bis heute…) ebenfalls extrem schusselig und ließ ständig Dinge hier und da liegen. Um diese Zerstreutheit in den Griff zu bekommen, verriet ihm mein Stiefvater Helmut eines Tages seinen persönlichen Trick: „Weißt du was, bevor ich aus dem Haus gehe, setze ich mich immer für einen Moment in den Sessel. Da überlege ich dann einen Moment lang, ob ich alles eingepackt habe, was ich brauche.“ Mein Sohn hörte sich den Ratschlag interessiert an, erwiderte aber schulterzuckend: „Das geht bei uns nicht, wir haben keinen Sessel!“ Christoph mag diese Geschichte auch sehr gern. Daher heißt es bei uns seit geraumer Zeit immer dann, wenn wir etwas vergessen haben (Christoph ist auf oft ein Meister der Zerstreutheit): „Das ist alles nur passiert, weil wir keinen Sessel  haben!“ Wir haben „nur“ ein Sofa mit Recamiere. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit für einen Sessel bei uns zu Hause.

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Immerhin: Trotz meiner Zerstreutheit ist es mir gelungen, beim Diabetes-Kongress eine Menge Eindrücke zu gewinnen, viele Notizen zu machen, unzählige Vortragsfolien zu fotografieren und mir eine Menge Gedanken zu machen. In den nächsten Tagen bzw. Wochen werdet ihr hier einige davon lesen können! 🙂

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2 Kommentare zu “Pleiten, Pech und Pannen: Als Queen of Schussel beim Diabetes-Kongress der DDG

  1. Der „weltbeste Ehemann“ ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Hüte ihn wie einen Schatz. Ich habe auch so einen. Den „Sessel“ sollte ich mir auch zulegen, obwohl wir eigentlich aus Altersgründen keine Möbel mehr anschaffen wollten. Bei uns findet der „Check“im Auto kurz vor dem Start statt. Auf diese Art habe ich das 38 jährige Diabetesleben im Beruf und auf zwei Weltreisen irgendwie gut überstanden. Die verschiedenen Pannen habe ich vergessen oder verdrängt, aber das mit der Baustelle und dem Kongress habe ich ähnlich erlebt , das ist mir beim Lesen schlagartig eingefallen. Diabeteskongress in Berlin in den 90er jahren, als ganz Berlin eine Großbaustelle war, da hat mich ein Taxifahrer gerettet und ich bin schweissüberströmt gerade noch rechtzeitig angekommen, um einen Vortrag über pumpentherapie zu halten und die H-Ton zu bewerben.
    Ich lese Deine Beiträge gerne, sie sind so nahe am Leben, und Du bestätigst mich immer wieder, dass ich das Gefühl habe, doch alles Richtig gemacht zu haben. Ich Danke Dir.

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    • Liebe Elisabeth, vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ja, meinen Christoph gebe ich so schnell nicht her. Es freut mich, dass dir meine Blogbeiträge gefallen! 🙂 Zu deinem Tipp, im Auto nochmal kurz nachzudenken, ob alles eingepackt ist, würde mein Sohn sicher sagen: „Ich habe weder Auto, noch Führerschein!“ 🙂 LG Antje

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