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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Tag 6 meiner Kreuzfahrt auf der Aida: Kohlenhydrate sollte man lieber selbst ausrechnen

Ein Kommentar

Im normalen Leben habe ich kein Problem damit, in Restaurants oder an anderen fremden Töpfen nach einem Blick auf das Essen die Kohlenhydrate selbst abzuschätzen und dann meine notwendige Insulindosis auszurechnen. Und auch wenn man auf einem Kreuzfahrtschiff in fast allen Dingen die Organisation der Crew überlassen kann – bei der Berechnung der Kohlenhydrate kommt man nicht umhin, eigenen Grips einzusetzen.

In meinem Gespräch mit dem Chefkoch der AIDA prima hatten wir uns über mögliche Spezialwünsche von Diabetikern an Bord unterhalten. Und was das Essen angeht, war mir als einzig möglicher Spezialwunsch die Frage nach den enthaltenen Kohlenhydraten eingefallen. Schließlich sind die Zeiten vorbei, in denen man als Diabetiker nur irgendwelche fade Schonkost serviert bekam. Der Chefkoch konnte sich nicht erinnern, dass ihm irgendjemand schon einmal nach den enthaltenen Kohlenhydraten gefragt hätte. Und er hatte mir erklärt, dass sicherlich nicht sämtliche Servicekräfte beantworten könnten, wie viele Kohlenhydrate in der einen oder anderen Speise enthalten seien – doch sie könnten sich mit Fragen dieser Art an ihren Souschef bzw. den Chefkoch und seinen Stellvertreter wenden, die dann mithilfe von Nährwerttabellen genau ausrechnen würden, wie viele Kohlenhydrate ein bestimmtes Menü in der Summe enthält. Am Buffet, wo jeder soviel nimmt, wie er mag, sei das naturgemäß schwierig, doch bei Speisen à la carte mit ein bisschen Vorlauf problemlos möglich.

Bouillabaisse, Scampi mit Kartoffelpürree und Creme brulée

Ich beschloss, die Probe aufs Exempel zu machen. Gestern Vormittag spazierte ich in der Brasserie French Kiss vorbei, in der ich für den Abend zusammen mit meiner Urlaubsfreundin ein Tisch reserviert hatte. Die Kellnerin schaute etwas verwirrt, als ich ihr erklärte, dass ich Diabetikerin sei und für die Berechnung meiner Insulindosis wissen müsse, wieviele Kohlenhydrate in einem Menü aus Bouillabaisse, Scampi mit Kartoffelpüree und Creme brulée enthalten sind. Sie versprach aber, dass sie versuchen werde, es bis zum Abend herauszufinden.

Wo ist denn bloß der Zettel? Und eigentlich habe ich gar keine Zeit…

Als wir am Abend unsere Bestellung aufgeben wollten, fragte ich den Kellner nach der Kohlenhydratmenge. Der konnte meine Frage nicht beantworten und verwies mich an einen Kollegen. Der schaute sich suchend nach der Kellnerin um, mit der ich am Morgen gesprochen hatte. „Sie hat gerade viel zu tun, aber sie kommt zu Ihnen, wenn sie Zeit hat“, sagte er. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie Zeit fand. In der Zwischenzeit wurde die Suppe serviert. Sie druckste herum, da gebe es einen Zettel, den müsse sie suchen, aber im Moment seien da so viele Gäste… Ich sagte: „Ich muss als Diabetikerin mein Insulin aber vor dem Essen spritzen, und jetzt ist die Vorspeise ja schon da…“, woraufhin sie achselzuckend davoneilte.

Kalorien oder Kohlenhydrate – das ist hier die Frage!

Der dann hinzugezogene Maitre war leider auch keine große Hilfe. Er erklärte mir: „Wenn überhaupt, kann ich Ihnen nur sagen, wie viele in der Creme brulée drin ist. Denn bei den anderen Gerichten kommt es immer auf den Koch an, wieviel er genau von den Zutaten verwendet.“ Und wie viele Kohlenhydrate enthält also die Creme brulée? „So ungefähr 1.000?“, sagte er unsicher. „Das kann nicht sein“, meinte ich. „Ach ja, das waren glaube ich Kalorien…“ Seufz. Er huschte hinter die Theke und fand den Zettel, nach dem zuvor schon seine Kollegin gesucht hatte. Darauf waren die Nährwertangabe der Creme brulée pro 100 Gramm abgedruckt. „Und wie viel Gramm sind in einer Portion?“, fragte ich. „120 Gramm“, meinte er, „aber ohne den Zucker oben drauf.“

Berechnen von Kohlenhydraten ist und bleibt Eigenleistung

Ich hatte natürlich längst die bei mir für ca. 50 Gramm Kohlenhydrate (5 KE) erforderlichen fünf Insulineinheiten gespritzt, auf die ich das Menü in der Summe geschätzt hatte. Und lag, wie ich rückblickend weiß, mit meiner Schätzung auch goldrichtig. Fazit: An Bord der AIDA wird einem zwar von Staubsaugen über Handtücher wechseln, Essen kochen, Geschirrspülen und Massagen bis hin zur Organisation von Ausflügen so ziemlich alles abgenommen – aber das Berechnen von Kohlenhydraten sollte ein Diabetiker dann doch in Eigenleistung erbringen.

Ausflug nach Gent mit Besuch einer Pralinenmanufaktur

Doch damit ihr noch ein paar Bilder zu sehen bekommt, zeige ich euch nun zum Schluss einfach noch einige Fotos, die ich gestern tagsüber bei einem Ausflug nach Gent und Besuch einer Pralinenmanufaktur gemacht habe. Übrigens: Ich habe keine Ahnung, wie viele Kohlenhydrate die Pralinen hatten, die wir kosten durften. Doch weil ich den ganzen Tag in Bewegung war, war es meinem Blutzucker auch herzlich egal.

Die beschriebene Kreuzfahrt wurde mir von AIDA Cruises kostenlos zum Zweck der Berichterstattung für Focus Diabetes zur Verfügung gestellt. Meine Blogbeiträge über diese Kreuzfahrt spiegeln meine persönliche und vom Veranstalter unbeeinflusste Meinung wider.

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Ein Kommentar zu “Tag 6 meiner Kreuzfahrt auf der Aida: Kohlenhydrate sollte man lieber selbst ausrechnen

  1. Jahaha, wie kannst du auch so dreist sein und tatsächlich davon ausgehen, jemand könnte dir Kohlehydrate nennen…

    😂👍🏻

    Das wichtigste ist, du hast den Kennerblick und es ist alles gut gelaufen 😘

    Gefällt mir

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