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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Ersthelfer-Kurs: Uff, jetzt bin ich wieder up to date!

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Vor einer Weile hatte ich hier ja über den Elmshorner Stadtlauf berichtet, bei dem ich Zeuge eines Unfalls wurde und mir ziemlich unsicher war, was meine Fähigkeiten als Ersthelfer angeht. Nun, ich habe inzwischen Wort gehalten und einen Auffrischungskurs in Erster Hilfe besucht.

Dahinter steckte unter anderem auch der Gedanke, dass ich als Typ-1-Diabetikerin ja durchaus auch einmal die die unglückliche Lage kommen kann, halbwegs kompetente erste Hilfe von Umstehenden zu benötigen. Ich neige zwar nicht zu unbemerkten Hypos und habe mir bislang auch immer selbst helfen können, wenn mein Zuckerwert auf dem absteigenden Ast war – aber man weiß ja nie… Und was andere mir gegenüber im Ernstfall leisten sollen, das möchte ich gern auch selbst passabel draufhaben.

Ein Sonnabend im Vereinsheim der DLRG Elmshorn

Und so war hochmotiviert und gespannt, was sich seit meinem ersten Ersthelferkurs getan hatte, den ich für meinen Führerschein absolviert hatte – und was ich davon überhaupt noch an Wissen parat hatte. Zusammen mit einer Bekannten, deren Mann ebenfalls Typ-1-Diabetiker ist, verbrachte ich also den vergangenen Sonnabend im Vereinsheim der DLRG Elmshorn. Außer uns waren (wenig überraschend) einige Führerscheinanwärterinnen mit von der Partie, daneben aber auch Leute, die eine Prüfung im Rettungsschwimmen vor sich hatten.

Achtung, Lebensgefahr! Ein nicht ausgelöster Airbag kann auf einmal explodieren!

Wir lernten und übten: Wie verhält man sich, wenn man sich einem Unfallort nähert? Was ist zur Eigensicherung zu beachten? An dieser Stelle wurde mir gleich klar, wie viel Zeit seit meinem letzten Kurs vergangen war. Als ich 1988 meinen Führerschein machte, gab es nur vereinzelt Autos mit Airbags. Heute hingegen hat jedes Auto, das noch ohne Oldtimer-Kennzeichen fährt, mindestens einen Fahrer- und einen Beifahrer-Airbag – wenn nicht außerdem sogar diverse Seiten- oder Kopf-Airbags. Wenn ich mich also – natürlich erst, nachdem ich die Unfallstelle mit Warndreieck ordnungsgemäß abgesichert habe – einem verunfallten Fahrzeug nähere, in dem noch ein Mensch sitzt, den ich möglicherweise retten muss, dann muss ich diese vielen Airbags unbedingt im Hinterkopf haben. Falls trotz des Aufpralls kein Airbag ausgelöst hat, sollte ich auf keinen Fall die Tür öffnen und am Ende noch meinen Kopf ins Auto stecken, um meinem Mitmenschen zu helfen. Denn der nicht-ausgelöste Airbag könnte genau durch diese minimale Erschütterung explodieren und mir mit seiner Wucht den Garaus machen.

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Für jedes gängige Automodell gibt es ein Rettungsdatenblatt

Für die Rettungskräfte sind die vielen Airbags in modernen Autos manchmal ein Riesenproblem. Sie sammeln daher Informationen über die Lage der Airbags in allen gängigen Automodellen, und man kann nur hoffen, dass sie diese wichtigen Informationen im richtigen Moment auch parat haben. Christoph und ich haben deshalb am Wochenende einmal online nach einem Datenblatt für mein Auto gesucht, das die Lage der Airbags zeigt. Und tatsächlich findet man auf der Seite der Feuerwehr Märkisch Buchholz Rettungsdatenblätter für alle möglichen Automodelle, die man sich einzeln herunterladen kann, auch für meinen neuen Golf Sportsvan. Das will ich mir nun einmal ausdrucken, laminieren und irgendwo halbwegs gut sichtbar im Auto deponieren. Sicher ist sicher.

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Stabile Seitenlage, Atemkontrolle, Herzdruckmassage, Defibrillator

Doch zurück zum Ersthelfer-Kurs. Es gab aber nicht nur nagelneue Informationen, auch ein paar Klassiker waren dabei. So ist es immer noch ratsam, einen bewusstlosen (aber noch selbstständig atmenden) Menschen in die stabile Seitenlage zu verfrachten. Jemand, der nicht mehr atmet, braucht wiederum eine Herzdruckmassage und muss von Mund zu Mund beatmet werden. Beides übten wir jeweils zu zweit bzw. mit der Rettungspuppe „Anne“, die für jeden Kursteilnehmer eine frische Latexmaske mit Mundstück übergestreift bekam. Jeder von uns musste einmal auf die teilnahmslos daliegende Puppe zugehen und erste Hilfe bei ihr leisten: „Hallo? Ist alles in Ordnung bei Ihnen? Brauchen Sie Hilfe? Ich bin Antje, ich kümmere mich jetzt um Sie!“ Atemkontrolle, nix. Aufblicken, einen der Umstehenden direkt ansprechen: „Bitte rufen Sie schnell einen Rettungswagen!“ Und einen anderen der Umstehenden ansprechen: „Bitte schauen Sie mal, ob es hier irgendwo einen Defibrillator gibt!“ Dann Herzdruckmassage. Über der Puppe knien, Hände übereinander legen, mit dem Handballen auf Höhe des Brustbeins 30 mal kräftig nach unten drücken. Dann zweimal beatmen, dabei zwischendurch den Kopf zur Seite legen, damit man selbst wieder frischen Sauerstoff einatmet. Weitermachen mit der Herzdruckmassage, und zwar so lange, bis jemand mit dem Defibrillator kommt oder der Rettungswagen eintrifft.

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Während wir anfangs noch etwas zögerlich waren, verloren wir nach einer Weile doch die Scheu gegenüber der Puppe und dem, was an ihr zu tun war. Schließlich klang uns allen der Satz im Ohr, den unser Dozent immer wieder herunterbetete: „Habt keine Angst, sie zu verletzen. Sie atmet nicht mehr. Wenn du jetzt nichts tust, ist sie gleich tot. Es kann nicht viel schlimmer kommen.“

Unterzuckerung als Grund für Bewusstlosigkeit? Nicht in den Schulungsunterlagen

Nachdem wir zum Abschluss des Kurses noch mit Unmengen Verbandpäckchen und Dreieckstüchern geübt hatten, einen Druckverband anzulegen, rauchte uns allen der Kopf. Und obwohl der Kurs eine Menge Input geliefert hatte, gingen meiner Begleiterin und mir doch noch offene Fragen im Kopf herum: „Wenn jemand bewusstlos daliegt, dann kann es auch ein Diabetiker mit einer Unterzuckerung sein“, merkten wir an, „warum taucht das in den Schulungsunterlagen nicht auf?“ Unser Dozent zuckte die Achseln: „Seit im vergangenen Jahr die für den Führerschein vorgeschriebenen Ersthelfer-Kurse von 16 auf 9 Stunden zusammengekürzt wurden, ist dieses Thema leider rausgeflogen.“

In Deutschland haben beinahe 10 Prozent der Bevölkerung Diabetes…

Wer aktuell einen neuen Kurs besucht, der 9 statt früher 16 Stunden dauert, der erfährt also nicht, dass eine Bewusstlosigkeit unter Umständen auf eine Unterzuckerung zurückzuführen sein kann. Dass Diabetiker bei einer Unterzuckerung Glukose oder möglicherweise eine Glukagonspritze benötigen, bei einer Überzuckerung hingegen Insulin. Dass Torkeln und Lallen nicht immer Zeichen dafür sind, dass jemand über den Durst getrunken hat, sondern dass dies durchaus auch Symptome einer gefährlichen Unterzuckerung sein können. Ich finde es schade, dass gerade dieses Thema aus dem Unterrichtsmaterial verbannt wurde. Immerhin haben beinahe zehn Prozent der deutschen Bevölkerung einen Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Da wäre es doch schön, wenn mehr Menschen darüber aufgeklärt würden, mit welchen Symptomen Notfälle bei Diabetes einhergehen, oder?

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