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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Diabetes-Monat November: Muss ich wirklich bei jeder Aktion mitmachen?

3 Kommentare

Am 14. November ist wie in jedem Jahr Weltdiabetestag, und alle großen Diabetes-Organisationen haben den gesamten Monat November zum „Diabetes-Awareness-Monat“ erklärt, und auf einmal ändern alle schnell ihre Profilbilder. Zu diesen ganzen Aktionen habe ich ein etwas zwiespältiges Verhältnis.

Der Monat hatte kaum begonnen, da häuften sich in meiner Facebook-Timeline die Infos, dass dieser oder jene Kontakt von mir sein Profilfoto gewechselt hat. Statt eines einfachen Fotos ist es dann in der Regel ein Meme mit dem Schriftzug „#this is diabetes“ (von der American Diabetes Association, ADA), ein blauer Kreis als Diabetes-Symbol oder mit dem Schriftzug „T1D looks me“ (von der Juvenile Diabetes Research Foundation, JDRF). Letztere hat auf ihrer Website auch einen kleinen Gimmick parat, mit dem man anhand des Diagnosedatums ausrechnen lassen kann, wie viele Tage man schon mit Diabetes lebt, wie viele Stunden Schlaf man deswegen entbehren musste, wie viele Fingerpiekser und wie viele Katheterwechsel man erdulden musste.

Mein Diabetes passt nicht ins Schema F dieser Aktionen

Das kleine Rechenspiel von der JDRF funktioniert leider nicht richtig, auch wenn der dahinterliegende Algorithmus soooo kompliziert ja nicht sein kann: Immer, wenn ich mein Diagnosedatum (30. März 2010) eingebe, spuckt es aus, ich habe seit genau 2 Tagen Diabetes. Ich habe es mehrfach probiert, immer mit dem selben Ergebnis. So macht das natürlich keinen Spaß. Doch selbst wenn mir das System die korrekte Anzahl an Tagen ausgespuckt hätte: Alles was sonst mit meinem Diabetes zu tun hat, kann es nicht wirklich angeben. Ich persönlich habe durch meinen Diabetes glücklicherweise noch nicht viel Schlaf eingebüßt, weil ich nicht zu nächtlichen Unterzuckerungen neige und auch nicht ständig für nachts den Wecker stelle, um meinen Zuckerwert zu kontrollieren. Da will ich also nicht mehr dramatisieren als nötig. Die Zahl meiner Fingerpiekser ist auch erheblich zurückgegangen, seit ich das Freestyle Libre verwende. Ich will meine Erkrankung nicht verharmlosen, aber wie ich sie erlebe, lässt sich eben nicht in das Schema F dieser Memes und Aktions-Gimmicks pressen.

Nur blaue Klamotten und Diabetes-Smalltalk an jeder Ecke?

Auch sonst bin ich etwas zwiegespalten, was derartige Aktionen in den sozialen Medien angeht. Es ist ein bisschen wie mit dem Gruppenzwang, nach den Terroranschlägen in Paris schnell das eigene Profilbild durch „Je suis Charlie“ zu ersetzen, um sich bloß nicht der Uninformiertheit oder mangelnder Solidarität verdächtig zu machen. Muss ich wirklich zwingend mein Profilbild wechseln, mich einen Monat lang nur blau kleiden und den gesamten November hindurch möglichst viele Menschen in Diabetes-Smalltalk verwickeln, nur damit man mir abkauft, dass ich ein aktives und bewusstes Mitglied dieser Community bin? Nein, das finde ich nicht. Indem ich über meinen Alltag mit Diabetes blogge, trage ich schon viel dazu bei, Diabetes sichtbarer zu machen und meine Mitmenschen aufzuklären. Ich gehe offen mit meiner Erkrankung um, muss sie aber auch nicht jedem zwanghaft auf die Nase binden. Genau auf diese Weise habe ich einfach immer Diabetes, nicht nur im November.

Meine persönliche November-Community-Bilanz: Eher mau

Mache ich also irgendetwas Besonderes im Diabetesmonat November 2016? Nein, eigentlich nicht. Wenn ich jetzt in diesem Moment (November! Und dann auch noch Freitag! Blue Friday!) an mir herunterschaue, sehe ich ein weinrotes Kleid mit schwarzer Strickjacke. Nix Blaues. Wenn ich überlege, mit wem ich heute bislang über was gesprochen habe, stelle ich fest: Diabetes und Blutzuckerwerte waren heute noch kein Thema. Beim Diabetes-Lauf, den Steffi Blockus am Sonntag in Hannover organisiert (eine ganz tolle Aktion übrigens, die ich prinzipiell super finde, weil ich ja gern an Laufenvents teilnehme und mich freue, wenn Diabetiker sich Sport zutrauen), bin ich nicht mit dabei, weil ich nach den vielen beruflichen Trips der vergangenen Monate auch mal ein Wochenende zu Hause brauche. Mein aktuelles Profilbild zeigt meinen Bitstrip-Avatar mit einer Tasse Kaffee. Kein JDRF- oder ADA-Meme. Schlechte Community-Bilanz, könnte man meinen.

bitstrips-foto

Immerhin: Ich werde einen Termin beim Augenarzt vereinbaren!

Was aber nicht heißt, dass ich meinen Diabetes sträflich vernachlässige. Zum Beispiel verfolge ich im Moment etwas konsequenter als sonst meinen Versuch, weniger Kohlenhydrate zu essen. Ich war in diesem Punkt während der Sommermonate ein bisschen lax und möchte das gern wieder ändern. Der Figur und der Zuckerwerte zuliebe. Bislang bin ich ganz gut dabei. Meinetwegen können wir also gern sagen, dass dies meine November-Aktion zum Diabetesmonat ist. Ach halt, eine weitere Sache fällt mir doch noch ein: Tine hat auf ihrem Blog „I can eat everything“ kürzlich zum Thema „Diabetesmonat November“ geschrieben, man möge doch das diesjährige Motto „Augen auf den Diabetes“ wörtlich nehmen und fix einen Termin zur Augenuntersuchung vereinbaren, wenn man den bislang für dieses Jahr verschludert hat. Bingo, Volltreffer, genau das mache ich. Danke, Tine!  🙂

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3 Kommentare zu “Diabetes-Monat November: Muss ich wirklich bei jeder Aktion mitmachen?

  1. Augen auf den Diabetes👍🏼 gleich eingetragen und Montag lasse ich mir fix noch einen Termin geben. Der steht bei mir in diesem Jahr auch noch an!

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  2. Pingback: Diabetes Monat November? Nicht mein Monat! - mein-diabetes-blog.com

  3. Pingback: Von heiter bis wolkig: Mein persönlicher Diabetes-Jahresrückblick 2016 | Süß, happy und fit

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