Süß, happy und fit

Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Wie man Blutzuckerspitzen nach dem Essen vermeidet? Einfach mal verlaufen!

Ein Kommentar

Die Wegbeschreibung zu Fuß vom Hotel zur Messe klang nachvollziehbar. Doch dann stand ich mit meinem Rollenkoffer auf einmal mitten in der Pampa von Berlin-Grunewald. Nach einer länglichen Wanderung Schritteziel für heute erreicht – und es gab definitiv keine Blutzuckerspitze nach dem Frühstück!

Gestern und heute tummele ich mich beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin. Für die Übernachtung hatte ich mir das Hotel St. Michaels Heim ausgeguckt, das zumindest Luftlinie nicht allzu weit von der Messe entfernt ist. „Prima, dann kann ich am Morgen ja zu Fuß vom Hotel zur Messe gehen“, dachte ich mir bei der Buchung. Heute morgen fragte ich daher beim Auschecken nach dem besten Weg zu Fuß zur Messe. „Oh, das ist aber ein ganzes Stück“, meinte die Dame an der Rezeption. „Macht nix, ich laufe ganz gern mal ein paar Schritte, und mein Koffer hat ja Rollen“, antwortete ich und sah mich schon Highscores beim Fitbit-Schrittezähler knacken. „Gut, dann gehen Sie am besten die Bismarckalle ganz runter, dann links, dann wieder rechts bis zum S-Bahnhof Grunewald, gehen unten durch den Bahnhof durch und dann rechts entlang der Autobahn bis zur Querung zur Messe.“ Zur Sicherheit zeichnete sie mir die Route noch auf einer Umgebungskarte ein und drückte mir den Zettel in die Hand.

Unebener Weg und Pferdemist – mit dem Rollenkoffer nicht ideal

Ich stapfte also los. Berlin-Grunewald scheint mir ein sehr gediegener Stadtteil zu sein. Viele Villen, viel Kopfsteinpflaster, die Zeit schien irgendwann vor 100 Jahren stehen geblieben zu sein. Es hätte mich nicht gewundert, wenn auf einmal Damen mit Reifröcken und Hüten aus Kutschen gestiegen wären. Als ich den S-Bahnhof Grunewald unterquert hatte, ging es rechts nur eine Straße entlang. Naja, Straße ist vielleicht ein bisschen zu viel gesagt. Ein Weg, der entlang der Autobahn erst einmal zu einem Reiterhof führte. Ich hegte keinen Zweifel an der Route, denn „rechts entlang der Autobahn“ traf 100 Prozent zu, das erkennt sogar jemand mit einer massiven Orientierungsschwäche, wie ich es nun einmal bin. Ein bisschen unpraktisch fand ich nur, dass der Weg so uneben war und voller Pferdemist. Nicht unbedingt optimal, wenn man mit einem Rollenkoffer unterwegs ist.

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Kennen Einheimische wirklich immer die besten Schleichwege?

Nachdem der Reiterhof hinter mir lag, führte der Weg weiter durch eine Schrebergartensiedlung. „ Einheimische kennen ja meist die besten Schleichwege“, dachte ich mir und ging zuversichtlich weiter. Und eine hübsche Strecke war es auch – trotz des Lärms von der angrenzenden Autobahn und trotz des Pferdemists. Nach einer Weile endete der Weg allerdings vor einem Zaun mit dem klaren Hinweis: „Betreten für Unbefugte verboten.“ Und keine Möglichkeit, irgendwohin abzuzweigen. Mist. Das war wohl nichts. Ich hatte nun schon 45 Minuten Wanderung hinter mir, es war 9:15 Uhr und ich stand irgendwo in der Grunewalder Pampa. Meinen Termin um 9:30 Uhr am Stand von Siemens, wo man mir höchstpersönlich das neue Bildgebungssystem Artis pheno für robotergestützte Interventionen vorführen wollte, konnte ich wohl knicken.

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Unverhofft ein Mahnmal für die Verbrechen der Nazis entdeckt

Zum Glück habe ich ein ziemlich großes Talent, mir unvorteilhafte Realitäten schönzureden. „Na immerhin hat das Hotelfrühstück nun nicht die geringste Chance, mir eine böse Blutzuckerspitze mitzugeben“, dachte ich mir. Und stapfte wieder zurück Richtung S-Bahn Grunewald. Wieder mit dem Rollenkoffer über die Pferdemist-Buckelpiste. Möglicherweise hatte die Rezeptionistin doch eher gemeint, dass ich vor der S-Bahn rechts entlang der Autobahn gehen sollte? Ich probierte die Abzweigung aus, an der ein Schild zum „Mahnmal Gleis 17“ wies. Hat jemand von euch schon einmal von diesem Mahnmal gehört? Ich bis heute morgen jedenfalls noch nicht. Nun weiß ich, dass dort von Gleis 17 ab Oktober 1941 ca. 55.000 Juden aus ihren Wohnungen gewaltsam herausgeholt und öffentlich durch die Straßen Berlins zu den Bahnhöfen Putlitzstraße, Anhalter Bahnhof und Grunewald getrieben wurden. Das Mahnmal befindet sich an einem toten Gleis, an dessen Rand Metallplatten mit den Daten eingelassen sind, an denen Juden von den Nazis nach Auschwitz oder Theresienstadt abtransportiert wurden. Entlang der gesamten Strecke lagen überall verteilt Blumen, die noch ziemlich frisch aussahen, überwiegend weiße Rosen. Ein trauriger und dank der Blumen trotzdem friedvoller Ort des lebendigen Gedenkens.

Bei diesem Fußmarsch traute sich mein Glukosewert nicht in die Höhe

Allzu viel Zeit konnte ich an diesem abgeschiedenen Ort allerdings nicht verbringen, denn auch dieser Weg entpuppte sich als Sackgasse. Kurzentschlossen griff ich daher zum Telefon, rief die Pressedame von Siemens an und kündigte an, dass ich mich ca. eine halbe Stunde verspäten würde, weil ich mich verlaufen hatte. Dann lief ich zurück zur S-Bahn Grunewald, löste ein Ticket und fuhr mit der S7 eine Station bis Westend, um von dort mit der S5 zur Messe Süd zu gelangen. An der Garderobe der Messe, wo ich meinen Koffer in Verwahrung gab, wundert man sich nun vermutlich den ganzen Tag, wo dieser eigentümliche Geruch nach Pferdemist herkommt. Ich hatte dank meines von Tür zu Tür insgesamt dann etwa anderthalbstündigen Fußmarsches schon um 11 Uhr mein tägliches Pensum von 10.000 Schritten erreicht. Mein Glukosewert traute sich nach dem Frühstück überhaupt nicht in die Höhe. Im Gegenteil: Als ich an der Messe aus der S-Bahn kletterte, verlangte er mit 97 mg/dl und fallender Tendenz erst einmal nach einem Tütchen Gummibärchen. Mein Rat an alle, die mit Blutzuckerspitzen nach dem Essen zu kämpfen haben, lautet also: Geht raus und kommt doch einfach mal vom Weg ab! 🙂

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