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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Damals beim EASD-Kongress in Barcelona 2013: Und neben mir sitzt auf einmal mein Diadoc…

Ein Kommentar

Facebook hat mich vor ein paar Tagen an eine lustige Begebenheit erinnert, die ich seinerzeit auf Facebook gepostet, aber noch nicht auf meinem Blog zum Besten gegeben hatte, weil es mein Blog zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab. Hier also eine der Lieblings-Anekdoten aus meiner bisherigen Diabeteskarriere!

Vor drei Jahren war ich zum ersten Mal beim Jahreskongress der European Association for the Study of Diabetes, kurz EASD, der jedes Jahr in einer anderen europäischen Metropole stattfindet. 2013 war es Barcelona, und ich hatte den Auftrag, für die Medical Tribune über den Kongress zu berichten. Ich verbrachte eine knappe Woche in dieser wunderschönen katalanischen Stadt: Ich fuhr jeden Tag mit der U-Bahn zur Messe, machte in den wissenschaftlichen Sitzungen Notizen und fotografierte Vortragsfolien, schrieb erste Texte im Pressezentrum oder in meinem Hotelzimmer, traf mich abends mit anderen Journalisten oder Bloggern zu Events – und hatte eine richtig gute Zeit.

Vortragssitzung im Riesensaal – und neben mir sitzt mein Diabeteloge aus Elmshorn

Bei der allerersten wissenschaftlichen Sitzung, die ich besuchte, passierte etwas sehr Lustiges. Ich betrat den riesengroßen Vortragssaal, der bestimmt um die 1.000 Menschen fasste, und schaute mich nach einem geeigneten Sitzplatz um, von wo aus ich gut zuhören und sehen konnte. Ziemlich in der Mitte der vordersten Sitzreihe im zweite Sitzreihenblock fand ich meinen Platz. Ich stellte meine Tasche ab, setzte mich hin und sah mich um. Zwei Stühle weiter saß ein Mann, den ich kannte. Mein Diabetologe aus Elmshorn! Unglaublich – in Elmshorn selbst (eine Stadt mit 51.000 Einwohnern im Speckgürtel Hamburgs) war ich ihm noch nie jenseits seines Sprechzimmers über den Weg gelaufen, doch beim riesengroßen EASD-Kongress im fernen Barcelona mit seinen 20.000 Besuchern aus aller Welt setzte ich mich rein zufällig im Vortragssaal direkt neben ihn?

Wer ist das bloß? Kollegin? Pharmareferentin? Nein, eine Patientin!

Ich begrüßte ihn und brachte ihn erst einmal gehörig ins Schlingern. An seinem Blick merkte ich, wie es in seinem Kopf ratterte, dass er mich sehr wohl erkannte, aber überhaupt nicht zuordnen konnte. Nach einer Weile gab er den Versuch auf, mich mit Namen anzusprechen und ich half ihm: „Ich bin Antje Thiel, ich bin Patientin bei Ihnen!“ Da fiel der Groschen: „Ach ja  natürlich! Die Triathletin? Ja klar! Tut mir Leid, dass ich Sie nicht sofort erkannt habe!“, sagte er. Er sagte, er sei vor seinem geistigen Auge ganz schnell sämtliche Kolleginnen und Pharmavertreterinnen durchgegangen, doch mit einer Patientin habe er auf einem wissenschaftlichen Kongress im Ausland natürlich nicht gerechnet. Kein Problem, ich kenne dieses Phänomen, dass ich Leute nur dann erkenne, wenn ich sie in den vertrauten Zusammenhängen sehe. Vor etlichen Jahren saß ich zum Beispiel in der U-Bahn in Hamburg einem Mann schräg gegenüber, von dem ich mir absolut sicher war, dass ich ihn schon sehr lange kenne – doch woher bloß? Ich grübelte, schaute immer wieder verstohlen zu ihm rüber. Erst als er ausstieg, kapierte ich: Er war der Schalterbeamte in meiner Postfiliale, zu dem ich immer am liebsten ging, weil er von allen dort am freundlichsten und lustigsten war. Doch ich hatte ihn noch nie irgendwo anders als hinter seiner Postschalterscheibe gesehen – wie hätte ich auch darauf kommen können, dass er dort nicht verwachsen ist, sondern auch mal U-Bahn fährt?

Seither ist bei jedem Quartalstermin Fachsimpeln angesagt

So ähnlich dürfte es meinem Diabetologen vor drei Jahren auch gegangen sein. Man muss allerdings dazu sagen, dass ich 2013 noch nicht allzu lang Patientin bei ihm war. Er wusste zwar, dass ich als freie Journalistin mein Geld verdiene – doch dass ich auch für die Diabetes-Fachpresse unterwegs bin und Kongresse besuche, war einfach noch kein Gesprächsthema bei meinen Quartals-Checks gewesen. Seit unserem zufälligen Treffen beim EASD-Kongress ist das anders. Schon bei der darauf folgenden Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) verabredeten wir uns auf einen Kaffee in der Industrieausstellung und tauschten uns darüber aus, was wir gerade in den jeweiligen Vortragssitzungen gehört hatten und was wir davon hielten. Und bei jedem Quartalstermin unterhalten wir uns auch darüber, über welche Diabetesthemen ich gerade schreibe oder welche Projekte ich in Planung habe.

Trotz gutem Diabetesmanagement: Ich brauche weiterhin einen Diabetologen!

Ich finde das sehr schön. Zwar hatte ich meinen Diabetologen schon vor diesem Zufallstreffen in Barcelona nicht als arroganten Halbgott in Weiß empfunden, sondern als zugänglichen und aufgeschlossenen Arzt. Doch seit er mehr über meinen Job weiß und wir bei meinen Terminen auch über Kongresse, neue Erstattungsrichtlinien und aktuelle Studien fachsimpeln, begegnen wir uns noch viel mehr auf Augenhöhe. Deshalb freue ich mich auf meine Quartalstermine sogar immer ein bisschen. Wenn er mich am Ende dann aber verabschiedet mit den Worten „Ach Frau Thiel, Sie brauchen eigentlich doch gar keinen Diabetologen!“, dann widerspreche ich: „Nee, brauche ich wohl!“ Obwohl ich dank meines Jobs Zugang zu allen möglichen Informationen habe, die ich auch für mein persönliches Diabetesmanagement nutzen kann, und auch wenn ich sicherlich ziemlich gut eingestellt bin. Zum einen für ganz profane Dinge wie Insulinrezepte natürlich. Zum anderen aber auch für eine fachliche Bestätigung, dass ich mit meinem Diabetesmanagement auf dem richtigen Dampfer bin – vor allem, wenn ich nach Beobachtung meiner Blutzuckerprofile mal wieder gegrübelt und eine neue Theorie erarbeitet habe, warum sich mein Zucker so und nicht anders verhält. Dann ist es sehr schön, diese Gedanken mit einem Fachmann besprechen zu können und meist das erfreuliche Feedback zu bekommen, dass ich mir das vermutlich genau richtig überlegt habe. Ich möchte auf meine Quartalstermine deshalb nicht verzichten.

Dieses Jahr war mein Diabetologe nicht beim EASD-Kongress, der Mitte September 2016 in München stattgefunden hat. Doch morgen habe ich meinen Quartalstermin bei ihm – und soll ihm von den Vorträgen berichten, die ich gehört habe. Wer weiß, am Ende bekommt er noch bei der Ärztekammer Fortbildungspunkte dafür, dass er mich behandelt? 🙂

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