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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Hot, hot, hot! Mit einer IDAA-Staffel beim Marathon in Münster

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Die Marathon-Seuche grassiert in unserer Familie: Nach meinem Mann Christoph ist nun auch meine Schwester Julia infiziert. Da sie in Münster wohnt, hatte sie sich für ihr diesjähriges Debüt für den Münster-Marathon am 11. September angemeldet. Christoph hatte sich als Begleitläufer und Pacemaker angeboten – und ich konnte dank einer Staffel der IDAA zum Glück auch an diesem schönen Marathon teilnehmen.

Eigentlich wäre es auch lustig gewesen, nur als Supporterin am Streckenrand zu stehen und aufmunternd zu jubeln, sobald Julia und Christoph vorbeirennen. Aber ein Blick auf die IDAA-Homepage hatte mir verraten, dass für den Münster-Marathon auch eine IDAA-Staffel gemeldet war, organisiert vom IDAA-„Veteranen“ Günter Poggemann. Und siehe da, es gab noch einen Platz in der Staffel, so dass ich vor unserer Abreise nach Münster am Sonnabend, den 10. September 2016 kein Spruchband mit Durchhalteparolen, sondern meine eigenen Laufschuhe und mein Startnummernband einpackte.

Nach meinem Hamburger Trauma wollte ich unbedingt als erste laufen

Nach meiner etwas traumatischen Erfahrung mit der IDAA-Staffel beim Hamburg-Marathon im April 2015 (es ist einfach blöde, als bekennende Schnecke nach drei Raketen den vierten und letzten Teil der Staffel anzutreten – und so in einem Feld zu laufen, das den Marathon eher in drei als in fünf Stunden absolviert) hatte ich im Vorfeld darum gebeten, als erste Läuferin starten zu dürfen. Anders als beim Hamburger Marathon sind in Münster alle vier Streckenabschnitte etwa gleich lang, so dass für jeden Staffelläufer 10,5 Kilometer zu bewältigen waren. Unser Team bestand neben mir also aus Günter, Dyrk und Alexandra, alle drei ebenfalls Typ-1-Diabetiker wie ich.

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Unsere IDAA-Staffel kurz vor dem Start: Günter, Dyrk, Alexandra und Antje (v.l.n.r.)

Münster am 11.9.16: Für einen Septembersonntag ziemlich warm

Das Tempo der anderen Läufer in meinem Feld war aber nicht der einzige Grund, warum ich sehr froh war, den ersten Streckenabschnitt ergattert zu haben. Der 11. September war ungewöhnlich warm: Im Tagesverlauf kletterte das Thermometer auf 27 oder 28 Grad. Ich startete um 9:15 Uhr bei noch absolut erträglichen Temperaturen – doch für alle, die länger auf der Strecke unterwegs waren, sollte es noch recht anstrengend werden. Die ersten 10,5 Kilometer des Marathons führten mich kreuz und quer durch die schöne Münsteraner Altstadt. Die Promenade entlang, über die für ein Spendenprojekt Wäscheleinen mit unendlich vielen ausgemusterten Laufschuhen über dem Weg gespannt waren. Über etliche hundert Meter Kopfsteinpflaster durch die Innenstadtgassen, bis in die Nähe des Aasees zum ersten Wechsel.

 

Zuckermanagement: Fehler Nummer Eins, Fehler Nummer Zwei…

Mein Zucker benahm sich überraschend brav, obwohl ich am Morgen ein paar schwer berechenbare Faktoren ins Diabetesmanagement hineingeschludert hatte. Zum einen nämlich versagte unser Wecker, der uns eigentlich schon um 6:00 Uhr aus dem Schlaf hatte klingeln sollen. Christoph und ich wachten erst um 7:15 Uhr auf und wurden schlagartig hektisch: „Oje, ist es nicht viel zu spät für ein Frühstück?“, dachten wir beide, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Christoph läuft einen Marathon am liebsten, wenn die letzte Mahlzeit genau drei Stunden her ist, damit ihm kein Essen schwer im Magen liegt. Und ich muss die Wirkung der letzten Insulindosis im Blick behalten, so dass auch für mich drei Stunden Abstand ziemlich gut passen. OK, Verschlafen war Fehler Nummer Eins. Fehler Nummer Zwei war der Frühstücksbrei, den ich zusammen mit Christoph frühstückte. Er schwört an Wettkampftagen auf das Zeug, ich hingegen hatte es noch nie probiert. Jeder weiß, dass Ernährungsexperimente mit Diabetes (vor allem in Zusammenhang mit Sport) gern auch mal schief gehen können. Doch ich futterte den Brei – und hatte ihn nicht einmal vorher abgewogen. Zu allem Überfluss hatten wir bis zum Start noch knapp zwei Kilometer zu Fuß zu gehen, so dass ich mir ein wenig Sorgen um meinen Zucker machte, der mit einigen Einheiten noch wirksamem Insulin und körperlicher Aktivität noch vor dem eigentlichen Lauf möglicherweise einen Tiefflug einlegen würde.

220 mg/dl, 116 mg/dl, und zum Ende stabile 120 mg/dl

Vorsichtshalber stopfte ich noch eine Banane hinterher, bevor wir uns Richtung Start aufmachten – und hatte um 9:15 Uhr, als ich mich für meine Etappe in Bewegung setzte, einen Glukosewert von gut 220 mg/dl. Normalerweise wäre mir das zu hoch, selbst angesichts von 10,5 Kilometer Laufen, doch an diesem Tag beruhigte mich der Wert. Ich konnte auch ganz gut damit lostraben – und trotz meines den ganzen Sommer über ziemlich schlechten Trainings sogar einen stabilen Schnitt von 6:40 Minuten pro Kilometer hinlegen. Ab Kilometer 8 ungefähr bahnte sich dann allerdings doch eine kleine Unterzuckerung an: Das Lesegerät meines Libre zeigte 116 mg/dl mit stark fallender Tendenz an. Ich futterte zwei Plättchen Traubenzucker und ging ein paar Schritte, zum Glück sah ich vor mir auch eine der vielen Verpflegungsstationen, an der ich einen Schluck Wasser zum Runterspülen trinken konnte. Bingo, das ging doch noch gut: Als ich nach etwa 1:12 Stunden unseren Staffel-Transponder an den zweiten Läufer, Dyrk, übergab, lag mein Glukosewert schon wieder bei 120 mg/dl.

Die drei folgenden Staffelläufer Dyrk, Günter und Alexandra waren zum Teil deutlich fixer als ich unterwegs, was dazu führte, dass wir als Staffel insgesamt eine Zeit von 4:19:04 erzielten. Kurze Zeit darauf kamen auch Christoph und meine Schwester Julia ins Ziel. Sie hatten sich für Julias Marathon-Debüt eine Zeit von 4:45 Stunden vorgenommen, waren dann aber doch schneller als erwartet im Ziel: Julia hatte auf den letzten zwei Kilometern dank ihrer vielen Freunde und Bekannten in Münster so viel Unterstützung an der Strecke, dass sie förmlich flog und dem erfahrenen Marathoni Christoph auf dem letzten Kilometer einfach davonrannte. Sie kam mit 4:37:19 euphorisch ins Ziel, mein Mann folgte mit 4:38:23.

Vielen Dank an dieser Stelle an Günter, Alexandra und Dyrk für die Fotos: Wir haben alles verfügbare Bildmaterial zu diesen Collagen zusammengeworfen! 🙂

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2 Kommentare zu “Hot, hot, hot! Mit einer IDAA-Staffel beim Marathon in Münster

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