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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Es geht los: Interviews für mein Buch – und eigene Gedanken zum Typ F

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Am vergangenen Wochenende habe ich die ersten Interviews für mein Buch zum Thema „Diabetes und Angehörige“ geführt. Dafür bin ich von Elmshorn ins tiefste Bayern und weiter in den Odenwald gefahren. Und hatte bei der Planung meiner Reise meine ganz eigenen „Typ-F-Momente“.

Vor einer Weile hatte ich hier über mein Blog ja nach Interviewpartnern für mein geplantes Buchprojekt gesucht. Inzwischen habe ich eine Menge Familien und Paare beisammen, die mir ihre ganz persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse zu verschiedenen Facetten des Zusammenlebens mit einem Diabetiker schildern mögen. Sei es zum Thema „Angst vor Hypos“, „Kontrolle und Bevormundung“, „Vorurteile und Ausgrenzung“ „Gemeinsame Mahlzeiten“ oder „Sexualität und Familienplanung“. Es wird ein buntes Buch mit persönlichen Portraits all dieser Menschen, die alle auf ihre ganz eigene Art als Paar oder als Familie von Diabetes betroffen sind. Die Tinte unter dem Vertrag mit dem Kirchheim-Verlag ist getrocknet, es geht also los.

Für die persönlichen Interviews reise ich quer durch die Republik

Ich besuche alle Interviewpartner für mein Buch persönlich. Meiner Erfahrung nach ersetzt bei Portraits nichts ein persönliches Gespräch, in dem man sein Gegenüber nicht nur ausfragen, sondern auch seine Mimik und Gestik studieren und den Umgang der Familienangehörigen miteinander beobachten kann. Natürlich bedeutet das eine Menge Fahrerei, zumal etliche der Interviewpartner nicht in der näheren Umgebung von Hamburg oder Elmshorn leben, sondern in ganz anderen Winkeln der Republik. Am vergangenen Woche habe ich nun meine erste Reise unternommen, und sie führte mich von Elmshorn nach Weichering bei Ingolstadt (gut 750 Kilometer), anschließend nach Donauwörth (rund 50 Kilometer) und als dritte Station nach Hasselroth im Odenwald (gut 320 Kilometer) und von dort aus wieder zurück nach Hause (gut 580 Kilometer).

Wieso will mein Mann mich auf einmal auf meiner Interviewreise begleiten?

Wen ich an diesen drei Stationen besucht und befragt habe, könnt ihr später dann in meinem Buch nachlesen, davon will ich im Vorfeld nicht allzu viel verraten. Doch ich fand es spannend, wie sich im Vorfeld meiner Reise bei uns zu Hause ein ganz eigenes „Typ-F-Thema“ entwickelte. Nachdem ich meinem Mann nämlich von meiner Reiseroute berichtetet hatte, schlug er mir ein Weilchen später vor, er könne mich ja auf dem Trip begleiten. Ich war ziemlich perplex, denn auf diese Idee war ich zuvor überhaupt nicht gekommen. Nicht, weil ich etwa nicht gern mit Christoph unterwegs bin. Sondern, weil es ganz einfach mein Job-Projekt ist, für das ich diese ganzen Reisen unternehme. Ich habe ihn bislang auch noch nie auf Geschäftsreisen begleitet.

Natürlich ist es schön, auf einer langen Fahrt einen Beifahrer zu haben

Er rückte dann raus mit der Sprache: „Es ist doch eine sehr lange Fahrt, 750 Kilometer an einem Tag allein zu fahren, ist doch sehr anstrengend, dabei könnte ich dich doch unterstützen!“. Ich entgegenete: „Klar, das ist anstrengend, aber du müsstest dir doch einen Tag Urlaub nehmen, damit du mich schon Freitag Vormittag begleiten könntest, das ist doch nicht nötig. Viel Zeit für private Unternehmungen bleibt neben den drei Interviews ohnehin nicht.“ Christoph blieb dabei, dass er mir seine Unterstützung gern anbieten wolle, damit ich nicht allein fahren muss. Ich fragte: „Hast du denn wirklich Lust, mitzufahren? Dann fände ich es natürlich nett, dich dabei zu haben.“ Es ist ja durchaus schön, einen Beifahrer zu haben, mit dem man sich während einer langen Fahrt unterhalten kann. „Nee, richtig Lust habe ich eigentlich nicht“, meinte er ehrlich, „das sind ja wirklich viele Kilometer, da könnte ich mir auch was Schöneres vorstellen für das Wochenende. Aber ich würde dich gern unterstützen, wenn du das möchtest.“

Traut er mir die Fahrt nicht zu, weil ich Diabetes habe?

Da wurde ich ein bisschen stutzig: „Ich habe so lange Fahrten durchaus schon alleine hingekriegt.“ Und erzählte ihm von meinem Urlaub am Bodensee, von wo aus ich in Begleitung meines damals zehnjährigen Sohnes allein zurück nach Hamburg gefahren war. An einem Tag, mit Pinkel- und Picknickpausen, gar kein Problem. Mir schwante, was der Unterschied sein könnte: Damals, als ich mit meinem Sohn unterwegs war, hatte ich noch keinen Diabetes. Glaubte Christoph etwa, dass ich die lange Fahrt wegen meines Diabetes nicht allein hinkriegen würde? Diesen Gedanken fand ich ein bisschen rührend (weil ich es generell ja sehr lieb von ihm finde, wenn er sich um meinen Diabetes Gedanken macht) und gleichzeitig ärgerlich (weil er doch eigentlich weiß, dass ich meinen Diabetes gut im Griff habe, nicht zu starken Zuckerschwankungen neige und beim Autofahren regelmäßig meine Werte checke, weil es also eigentlich keinerlei Grund zur Beunruhigung gibt).

„Warum reagiert sie so empfindlich, wenn ich ihr Hilfe anbiete?“

Und schon waren wir mitten drin in einem klassischen Typ-F-Thema. Es gab keinen Streit, eher ein vorsichtiges Abklopfen. Ich überlegte: „Übertreibt er es etwa mit seiner Sorge um mich? Traut er mir meine Mission nicht zu, weil ich Diabetes habe?“ Und er fragte sich: „Warum reagiert sie gleich so empfindlich, wenn ich ihr Hilfe anbiete? Ich meine es doch nur nett!“ Er hatte es tatsächlich einfach nett gemeint und nicht in erster Linie an meinen Diabetes gedacht bei seinem Angebot. Und doch hatte er mir mit seinem überraschenden Angebot überhaupt erst den Gedanken ins Hirn gepflanzt, dass der Diabetes auf dem langen Trip möglicherweise ein Problem sein könnte. Und ich ärgerte mich unter anderem auch darüber, dass ich nun selbst ein bisschen Angst vor der langen Autofahrt hatte. Totaler Psycho-Quatsch.

Wie leicht sich manchmal Botschaften in das Gesagte hineinmogeln…

Ich bin dann letztlich allein gefahren. Fand die lange Fahrt Richtung Ingolstadt vor allem wegen der vielen Staus auch anstrengend, doch ich hatte ein paar gute Hörbücher dabei und langweilte mich deshalb nicht. In dem kleinen Ablagefach vor dem Schaltknüppel hatte ich eine Dose mit Dextro-Traubenzucker, das Libre-Lesegerät lag griffbereit direkt daneben. Mein Zucker verhielt sich währen der Fahrt mustergültig, ich schickte von unterwegs auch die eine oder andere WhatsApp-Nachricht an Christoph, damit er sich keine Sorgen machen musste. Und ich dachte an die Interviews, die ich schon vor einem Jahr für einen Artikel im „Focus Diabetes“ zum Thema „Diabetes und Angehörige“ geführt hatte. Wie leicht sich Botschaften in das Gesagte hineinmogeln können, die eigentlich gar nicht nach übertriebener Sorge oder Bevormundung klingen sollten, den Diabetiker aber trotzdem zur Weißglut treiben können. Wie schnell es darüber zu Streit in der Familie oder Partnerschaft kommen kann. Weil ein Diabetes sich nun einmal leider häufig wie ein ungezogenes Kind benimmt und deshalb beinahe als vollwertiges Familienmitglied betrachtet werden muss, über dessen Erziehung man nicht immer einer Meinung ist.

Oft wird der Diabetes zur Bühne für ganz andere Probleme

Ich erinnerte mich aber auch an den tollen Satz, den mir eine Psychodiabetologin gesagt hatte, die ich als Expertin für meinen Artikel zu Rate gezogen hatte: „Oft wird der Diabetes dann zur Bühne für Probleme, die ohnehin schon zwischen den Partnern oder Familienmitgliedern vorhanden waren.“ Da ist sicher etwas dran. Ich darf mich wohl glücklich schätzen, dass es zwischen uns keine nennenswerten Probleme gibt, die auf der Diabetesbühne große Oper spielen möchten. ❤

A propos Bühne und große Oper: Ich fand den Sonnenuntergang über dem Odenwald ziemlich theatralisch! 🙂

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3 Kommentare zu “Es geht los: Interviews für mein Buch – und eigene Gedanken zum Typ F

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