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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Zwei Wochen lang Diabetes simulieren – Was kriegt man dabei wohl mit?

Ein Kommentar

Heute bin ich auf ein Experiment aufmerksam geworden, das Imke vom Nachbarblog „Diabetes durch zwei“ plant. Sie will zwei Wochen lang ihren Blutzucker messen und „spritzen“ als sei sie selbst Diabetikerin, um besser zu verstehen, wie sich das Leben mit Diabetes anfühlt. Nun, ich habe da ein paar Aufgaben für sie…

Imke hat keinen Diabetes, bloggt aber darüber. Sie beschäftigt sich als Lebenspartnerin eines Typ-1-Diabetikers auf ihrem Blog mit der Angehörigen-Perspektive, die bekanntlich auch mich so sehr interessiert, dass ich ein Buch darüber schreiben möchte. Nun möchte sie also die reine Angehörigen-Perspektive verlassen und (zumindest soweit das möglich ist, wenn man selbst eine funktionierende Bauchspeicheldrüse hat) selbst erleben, was es bedeutet, täglich mehrmals den Blutzucker zu messen, sich selbst eine Spritze zu setzen und dabei möglicherweise von anderen beobachtet zu werden.

Manuela hat schon ein Experiment mit Pumpe und CGM hinter sich

Manuela, die auf ihrem Blog „Second Hand Diabetes“ ebenfalls über das Leben an der Seite eines Typ-1-Diabetikers bloggt, hat vor einer Weile ein ganz ähnliches Experiment gemacht und hier sowie hier darüber geschrieben. Manuela hat ein CGM zur kontinuierlichen Glukosemessung und eine Pumpe getragen. Sie hat erfolglos versucht, ihren Glukosewert bei einer Süßigkeiten-Orgie mal über 200 mg/dl zu bugsieren und auf Parties Small Talk-Gespräche zur Insulinpumpenversorgung geführt.

Zucker messen und mit leerer Insulinpatrone das Spritzen simulieren

Imke will während ihres Selbstversuchs morgens und abends Basalinsulin spritzen (mit einer leeren Patrone und dem ausgemusterten Pen ihres Freunds), zu jedem Essen die Kohlehydrate berechnen und ebenfalls spritzen. Und natürlich Blutzuckermessen alle 3 bis 4 Stunden. Zwei Wochen lang. In dieser Zeit wird sie natürlich keine Hypo- oder Hyperglykämie erleben, weil sie bei einer Mahlzeit die Kohlenhydrate falsch eingeschätzt hat. Sie wird nicht hyposchweißgebadet am Frühstückstisch sitzen, weil sie den gutgemeinten Spritz-Ess-Abstand ein bisschen zu lang hat ausfallen lassen, so dass sie sich gleich nach dem Frühstück nochmal unter die Dusche stellen kann. Sie wird auch nicht über unerklärliche Glukosewerte nachdenken und dabei dies und jenes in Betracht ziehen, das möglicherweise Ursache für den Ausreißer nach oben oder unten gewesen sein könnte.

Welche Situationen sollte Imke erleben um sich wie eine Diabetikerin zu fühlen?

Aber sie wird erleben, wie diese diabetischen Routinehandgriffe den Alltag bestimmen: der Griff zum Messgerät, der Pieks in den Finger (Mist, warum kommt jetzt kein Blut?), der Wechsel der Pennadel, das Aufziehen der Insulineinheiten am Insulinpen, das Aufschreiben aller Parameter im Blutzuckertagebuch oder in der App… Und sie wird sicherlich ein paar Reaktionen von Nicht-Diabetikern erleben, die ihr einen kleinen Eindruck davon vermitteln, wie es sich anfühlt, mit Diabetes zu leben. In ihrem Blogbeitrag bittet Imke darum, von uns Diabetikern ein paar „Aufgaben“ gestellt zu bekommen: In welche Situationen sollte sie sich mit ihrem Pseudo-Diabetes begeben um einen möglichst authentischen Eindruck zu gewinnen? Ich habe mal darüber nachgedacht und mir ein paar Aufgaben für Imke überlegt. Vielleicht hat sie ja Lust, sie umzusetzen und über den Ausgang zu berichten.

  • Es ist ungefähr Mittagszeit. Du hast deinen Zucker gemessen, dir eine Mahlzeit vorbereitet und Insulin gespritzt. Da ruft ein Kunde/Geschäftspartner an, mit dem du dringend sprechen musst und der meist sehr schwer erreichbar ist. Du gehst schnell ans Telefon. Dein Gesprächspartner entpuppt sich als überraschend redselig, aber du hast Schwierigkeiten dich zu konzentrieren, weil du im Hinterkopf die Minuten zählst, die seit der Insulingabe verstrichen sind. Eigentlich willst du diesen wichtigen Gesprächspartner nicht abwürgen, hast auch nicht unbedingt Lust, ihn über dein bereits wirkendes Insulin und dein bereitstehendes Mittagessen zu informieren… aber irgendwann führt kein Weg daran vorbei.
  • Du bist mit Freunden zum Sport verabredet, vielleicht zum Laufen oder Radfahren in der Gruppe. Ihr seid kaum gestartet, da meldet sich dein Zucker: sinkender Glukosewert, Hypo im Anmarsch. Du musst Zucker zu dir nehmen und eine Pause einlegen bis sich der Wert stabilisiert hat. Das musst du den anderen sagen – die dann entweder allein weiterlaufen bzw. –fahren oder auf dich warten müssen. Beides ist blöd, aber du kannst dich nicht um die Situation herumdrücken.
  • Du bist zu einer etwas eleganteren Party eingeladen und musst dir überlegen, wo du den ganzen Diabeteskrempel verstaust. Schicke Handtaschen haben leider die Angewohnheit, mikroskopisch klein zu sein. Da passen Messgerät, Tagebuch und Insulinpens kaum rein – zumindest nicht zusätzlich zu Smartphone, Portemonnaie und Lippenstift und was eine Damenhandtasche sonst noch üblicherweise bevölkert.

Manchmal macht der Diabetes aus mir eben einen Spielverderber

Für meinen Geschmack sind im Alltag vor allem die Situationen nervig, in denen man keine Wahl hat, als dem Diabetes kurzzeitig die Hauptrolle zu überlassen. Wenn ich unterzuckere oder drohe zu unterzuckern, dann zählt eben nichts anderes als schnell zu reagieren und andere Dinge vorerst links liegen zu lassen. Das ist unangenehm. Dann fühle ich mich als Spielverderber, als Spaßbremse. Ich möchte niemand sein, auf den andere ständig Rücksicht nehmen müssen. Denn es ist mir natürlich lieber, wenn der Diabetes unauffällig nebenher läuft, wie ein wohlerzogener Hund brav an der Leine geht. Wenn ich der Welt durch diesen beiläufigen Umgang zeigen kann, dass der Diabetes aus mir keinen anderen Menschen macht, der weniger leistungsfähig, kompetent, zuverlässig etc. ist. Manchmal macht der Diabetes aber eben doch einen anderen Menschen aus mir. Einen, der ganz kurz mal alles stehen- und liegenlassen muss, der deswegen schlechte Laune oder auch mal Panik bekommt.

Ich bin mir nicht sicher, ob man all das in einem Experiment wirklich simulieren und nachfühlen kann. Aber einen Versuch ist es sicherlich wert. Also Imke, ich Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen!

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Ein Kommentar zu “Zwei Wochen lang Diabetes simulieren – Was kriegt man dabei wohl mit?

  1. Na ich auch!!! Danke für die tollen Situationen, die wohl die typischsten sind..

    Eine Situation von mir wäre auch noch: du hast ein Kind (5), das mit dir Rad fahren will – das passt gut, denn das Wetter ist schön und eine kleine Tour passt zeitlich gut in den Nachmittag, bis abends der Papa von der Arbeit nach Hause kommt.

    Wie sich das als Diabetiker gehört, muss natürlich vor körperlicher Betätigung gemessen werden. Hm, nur 73mg/dl, weil es heute morgen in der Arbeit doch recht stressig war. Also müssen KH gegessen werden, das dauert und das Kind steht schon komplett zur Abfahrt fertig bereit und ist nun sauer, weil „Mama wieder länger braucht“.

    Viel Spaß beim ausprobieren – ich bin gespannt, wie lange man gelassen bei sich sein kann, wenn das Kind nörgelt und die Uhr läuft.. So lange kann die Tour nicht werden, weil in 1,5 Stunden dann ja schon wieder Abendessenzeit ist.

    Tolle Idee, liebe Imke und danke Antje fürs aufmerksam machen 👍🏻

    LG,
    Beate

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