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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Mit dem Diabetes auf Wanderschaft im Saarland – einfach nur schöööööön!

3 Kommentare

Vor einer Weile ist im Focus Diabetes eine Geschichte von mir erschienen, in der ich über einen Wandertrip im Saarland berichtet habe – und darüber, wie es mir dabei mit meinem Zucker gegangen ist. Hier könnt ihr diesen Bericht noch einmal nachlesen – auch wenn ihr heute am 3. Advent vielleicht gerade andere Gedanken im Kopf habt als eigene Experimente in Sachen Wandern zu planen…

Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“, soll Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt haben. Und als ich an einem sommerlichen Tag Ende Juni zusammen mit meinem Mann Christoph – und wie immer in Begleitung meines Typ-1-Diabetes – auf einem wunderschönen Wanderweg den saarländischen Litermont hinaufstapfe, weiß ich, dass Goethe mit seiner Äußerung Recht hatte. Ich spüre den federnden Waldboden unter den Füßen und atme seinen harzigen Duft ein. Ich höre die surrenden Insekten und die quakenden Frösche, fühle die moosbewachsenen Felsbrocken. Und ich genieße das befreiende Gefühl, ohne Zeitdruck in der Natur unterwegs zu sein.

Erstmals zu Fuß statt mit dem Auto im Saarland unterwegs

Ich muss gestehen, dass Wandern bislang nicht zu meinen Hobbys gehörte. Entsprechend hatten wir uns auch bei unseren Familienbesuchen im Saarland immer nur mit dem Auto fortbewegt. Die Landschaft rauschte vorbei, ohne bleibende Eindrücke zu hinterlassen. Diesmal ist es anders. Das Erlebnis beginnt schon bei der Tourenplanung zu Hause. Ich lasse mich im Internet von schattigen Waldwegen, bunten Sommerwiesen und grandiosen Ausblicke inspirieren und entscheide mich am Ende für die Litermont-Gipfeltour, einen Rundwanderweg über eine Länge von 9,5 Kilometern, der auf der Internetseite des saarländischen Tourismusverbandes gut beschrieben ist. Die Route zählt zu den Premiumwegen mit Deutschem Wandersiegel und wurde 2007 zu „Deutschlands schönstem Wanderweg“ gekürt. Die Tour wird als „mittelschwer“ beschrieben, was mich als aktive Freizeitsportlerin (Triathlon und Tanzen) aber nicht schreckt. Sich nicht zu überschätzen ist gerade für Diabetiker wichtig. Aber ich vertraue darauf, dass meine gute Kondition mich beim Wandern nicht im Stich lässt.

Extraration schnellwirksamer Kohlenhydrate für den Wandertag

Auch bei der Quartiersuche lasse ich mich vom Deutschen Wanderverband leiten, der das Hotel Mühlental in Schwalbach als Qualitätsgastgeber ausgezeichnet hat. Tatsächlich darf ich mir am Frühstückbuffet ein Proviantpaket für unterwegs zusammenstellen. Ich bekomme ein Faltblatt über die Litermont-Gipfeltour – und die Zusage, dass jemand vom Hotel mich abholen kommt, falls ich mir beim Kraxeln den Knöchel verstauche oder ein anderes gesundheitliches Problem habe und deshalb nicht weiterwandern kann. Dann geht es los, die neuen Wanderschuhe an den Füßen (hoffentlich drücken sie nicht!), im Rucksack die gewohnten Diabetesutensilien und eine Extraration schnellwirksamer Kohlenhydrate. Auch wenn wir uns fest vorgenommen haben, den Alltag hinter uns zu lassen – der Diabetes macht auch in Auszeiten keine Pause. Und beim Wandern kann man, wie bei jeder sportlichen Betätigung, wahrscheinlich leicht einmal unterzuckern

Digitale Unterstützung ist überflüssig, wir finden unseren Wanderweg

So, und jetzt bloß nicht verlaufen! Als Anfänger wollten wir auf Nummer Sicher gehen. Ich habe die Saarland-Touren-App des Tourismusverbandes mit einer Beschreibung der Route und Kartenmaterial inklusive GPS-Standortanzeige heruntergeladen. Und mein technisch interessierter Mann hat in sein GPS-Gerät vorsorglich alle Wegepunkte eingespeichert. Doch schon nach kurzer Wegstrecke merken wir, dass wir unsere Wanderung ganz hervorragend ohne digitale Unterstützung bewältigen können. Die Route ist bestens ausgeschildert und mit Kilometermarken versehen. Das Smartphone bleibt also meist in der Tasche – kein Bildschirm lenkt unsere Aufmerksamkeit von der schönen Umgebung ab.

Beim Wandern spielt die Zeit ausnahmsweise mal gar keine Rolle

Es ist mir auch herzlich egal, in welcher Zeit wir die knapp zehn Kilometer lange Gipfeltour bewältigen. „Das ist mal ganz etwas anderes“, schmunzelt mein Mann. Stimmt schon, normalerweise bestimmt der Blick auf die Uhr unseren Alltag – sogar beim Sport in der Freizeit. Zwar verfolge ich keine besonders ehrgeizigen Ziele, wenn ich für meinen nächsten Jedermann-Triathlon trainiere. Doch wie fast jeder Hobbyathlet freue ich mich natürlich, wenn ich bei einem Zehn-Kilometer-Lauf meine Zeit wieder ein wenig verbessern konnte. Heute komme nicht einmal auf die Idee, meine Smartphone-App „Runtastic“ zu benutzen.

Wandern zieht ebenso viel Kohlenhydrate wie ein kleiner Triathlon!

Umso häufiger muss ich dafür unterwegs in meine Bauchtasche nach meinem Blutzuckermessgerät oder in meinen Rucksack mit den Getränke- und Kohlenhydratvorräten greifen. Für die Brotzeit auf einer sonnigen Blumenwiese entlang der Strecke – ich mache es mir in einem Meer von Kamillenblüten bequem – spritze ich vorsorglich deutlich weniger Insulin, als ich normalerweise für zwei Käsestullen berechnen würde. Im weiteren Verlauf der Wanderung helfen mir Saftschorle, Schokoreiswaffeln und Aprikosen dabei, den Blutzucker stabil zu halten. Ich stelle erstaunt fest, dass ich für meine knapp vierstündige Wanderung ebenso viele zusätzliche Kohlenhydrate benötige wie für einen kleinen Triathlon. Wer behauptet da noch, Wandern sei kein Sport?

Wir sind sportlich und entscheiden uns immer für die schwere Variante der Tour

Insbesondere der Aufstieg zum Gipfelkreuz hat es in sich. An mehreren Stellen gabelt sich der Weg, und der Wanderer muss sich entscheiden, ob er die nächste Etappe in der „leichten“ oder der „schweren“ Variante bewältigen möchte. Wir vertrauen auf unsere sportliche Kondition und wählen den schweren Anstieg. Dieser führt uns mit im Fels befestigten Halteseilen mal über Wurzelwerk, mal über angelegte Steintreppen und mal über behauene Rhyolitfelsen nach oben. Ich gerate ordentlich ins Schwitzen und bin dankbar für die Wasservorräte in den Seitentaschen meines Rucksackes – und für meine Wanderschuhe, deren Profilsohlen mir beim Kraxeln guten Halt geben, ohne sich klobig und schwer anzufühlen.

Abwechslungsreicher Weg entlang romantischer Bergtäler und moosbewachsener Findlinge

Als ich auf dem Gipfel angekommen bin, zeigt mein Blutzuckermessgerät nur noch 78 mg/dl an. Ich muss erst einmal etwas Traubensaftschorle trinken, bevor ich auf einem Felsvorsprung Platz nehmen und das beeindruckende Panorama über das Primstal bis ins angrenzende Lothringen genießen kann. Zum Glück erfordern nicht alle Etappen der Strecke so viel Klettergeschick. Der abwechslungsreiche Weg führt über kleine Stege durch romantische Bachtäler, vorbei an großen moosbewachsenen Findlingen, durch Wiesen und Felder und durch einen Geschichtspark. Erstaunlicherweise begegnen uns nicht sonderlich viele Menschen – und wenn andere Wanderer unseren Weg kreuzen, dann sagen sie freundlich Guten Tag – ähnlich wie Läufer oder Rennradfahrer einander unterwegs zumindest mit Kopfnicken grüßen.

Der Puls verlangsamt sich und ich höre die Früsche im talwärts gelegenen Feuchtbiotop quaken

Weil wir die Strecke meist für uns haben, können wir auch die vielen Gelegenheiten zum Verschnaufen weitgehend ungestört nutzen. Diese bieten sich immer an Ende eines anstrengenden Streckenabschnitts in Gestalt von breiten, ergonomisch geformten Liegebänken, von denen sich der Blick in die Natur in aller Ruhe genießen lässt. Der Wanderführer bezeichnet sie sehr treffend als „Sinnenbank“. Es gefällt mir gut, an diesen Stellen den schweren Rucksack abzustellen, mich auf die Sinnenbank zu legen, um die Augen schweifen zu lassen, dem Konzert der Frösche im talwärts gelegenen Feuchtbiotop zu lauschen und zu spüren, wie mein Pulsschlag sich verlangsamt. „Entschleunigung“ ist wohl das Stichwort, das meine Wanderung zum Litermont-Gipfel am besten beschreibt. Es war ganz sicher nicht das letzte Mal, dass ich auf Schuhsohlen statt auf Autoreifen eine Landschaft durchstreift habe.

So ist das mit den Fotografen: „Halt, stehenbleiben, hier machen wir das Aufmacherfoto!“

Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an den Fotografen Marko Priske, der uns bei diesem Trip begleitet und ganz viele tolle Fotos geschossen hat – auch wenn der Wandertag dadurch mindestens doppelt so lang war wie im Wanderführer angegeben: „Halt Antje, stehenbleiben, hier müssen wir fotografieren, das wird das Aufmacherfoto!“, hörte ich mindestens zehn Mal im Laufe des Tages. Und dann hieß es posieren, dabei aber möglichst „normal“ und ungestellt rüberzukommen. Oder „ganz normal“ einen Weg entlang zu spazieren, ganz in die Natur vertieft – „und bloß nicht in die Kamera gucken!“ 🙂

 

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3 Kommentare zu “Mit dem Diabetes auf Wanderschaft im Saarland – einfach nur schöööööön!

  1. Hallo Antje, ganz toller Bericht! Die Erfahrung, dass ich trotz in meinen Augen leichter Bewegung mindestens genauso vielweniger Insulin wie bei „richtigem“ Sport benötige, habe ich auch beim wandern gemacht. Ich hatte mal überlegt, ob das mit der Entstressung zusammenhängt und dadurch vielleicht der Cortisolspiegel runtergeht, was für den BZ auch gut ist? Viele Grüße, Beate

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  2. Danke, liebe Beate! Also ich persönlich neige nicht wirklich zu Blutzuckeranstiegen wegen Stress. Insofern vermute ich, dass deine Theorie zumindest auf mich nicht zutrifft. Ich denke, es ist eher die kontinuierliche Bewegung mit leicht erhöhter Pulsfrequenz (also immer sicher im aeroben Bereich), die den BZ sinken lässt. Den selben Effekt habe ich auch mit Hausarbeit – und die ist weit weniger entspannend als Wandern… 😉 LG und schönen 3. Advent, Antje

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  3. Pingback: Also ich könnte ja schon wieder Urlaub machen… Rückblick auf eine Wanderung rund um den Lago di Tenno | Süß, happy und fit

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