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Freestyle Libre: Es gibt Fortschritte bei der Kostenerstattung!

12 Kommentare

Den Anfang machten die DAK und die Techniker Krankenkasse, doch inzwischen erstatten auch viele Betriebskassen ihren Versicherten die Kosten für das Freestyle Libre Glukosemesssystem.

Seit der Pharmariese Abbott Mitte Oktober 2014 sein neues Glukose-Messsystem „Freestyle Libre“ auf den Markt gebracht hat, ist in der Diabetes-Community eine regelrechte Massenhysterie ausgebrochen, die auch ein Jahr später noch nicht abgeklungen ist. Lange Zeit kam Abbott mit der Produktion nicht hinterher und belieferte nur Bestandskunden. Doch inzwischen wurden die Produktionskapazitäten ausgebaut. Just in den vergangenen Tagen haben Neukunden, die bislang nur auf der Warteliste stehen, die Nachricht erhalten, dass sie in Kürze ebenfalls bestellen können. Ab Februar 2016 sollen endgültig alle interessierten Neukunden ohne Wartefristen bestellen können.

DAK bietet das Freestyle Libre nur ausgewählten Versicherten an

Das heißt allerdings nicht, dass das Freestyle Libre nun eine Kassenleistung wäre. Nach wie vor ist das Messsystem nicht als Hilfsmittel im GKV-Leistungskatalog gelistet. Allerdings ist auch hier einiges in Bewegung. Als erste gesetzliche Krankenversicherung hatte im Februar 2015 die DAK auf den Trend reagiert: Sie bietet seit Juni 2015 ausgewählten DMP-Patienten das Freestyle Libre als freiwillige Leistung an. Im Rahmen des neuen Programms werden bevorzugt Diabetiker angesprochen, aus deren DMP-Daten sich schließen lässt, dass sie in besonderer Weise vom Freestyle Libre profitieren könnten. Dies sind zum Beispiel Diabetiker mit schlechten HbA1C-Werten oder häufigen Krankenhauseinweisungen wegen Hypoglykämien. Wie die DAK kurz nach Start des Projekt berichtete, war das Interesse enorm.

Die TK erstattet monatlich maximal 95 Euro für das Freestlye Libre

Beinahe zeitgleich mit der DAK gab auch die Techniker Krankenkasse bekannt, dass auch sie ihren Versicherten im Rahmen eines neuen TK-Gesundheits-Coachings die Kosten für das neue Messsystem erstatten will – zumindest anteilig. Zum TK-Gesundheits-Coaching gehören auch ein elektronisches Blutzuckertagebuch (online oder als Smartphone-App), Online-Kurse und ein Online-Coaching bei Problemfragen, man muss aber nicht das komplette Gesundheits-Coaching nutzen und kann sich durchaus auf die Erstattung der Kosten für des Freestyle Libre beschränken. Anfangs verbreitete die TK noch zum Teil widersprüchliche Angaben über die Höhe der Erstattung: So hieß es erst, sie wolle Anwendern die Kosten für das Messsystem bis zur Höhe der entsprechenden Kosten für Blutzuckerteststreifen erstatten, dann wieder war von 55 bis 60 Prozent der Gesamtkosten die Rede. Mittlerweile hat sich das Prozedere aber eingependelt: Die Anwender kaufen sich ihre Sensoren selbst bei Abbott und können pro Monat maximal 95 Euro (von insgesamt 125,80 Euro für zwei Sensoren plus Versandkosten) beim Hilfsmittelzentrum der TK einreichen. Voraussetzung für die Erstattung ist ein Rezept des behandelnden Diabetologen, doch hier reicht ein formloses Privatrezept völlig aus. Es sollte nach Möglichkeit den Hinweis „Dauerverordnung“ enthalten, damit man nicht in regelmäßigen Abständen neue Rezepte nachreichen muss.

Etliche BKK haben nun Direktverträge mit Abbott abgeschlossen

In den vergangenen Monaten sind noch weitere Versicherungen und Krankenkassen hinzugekommen, die ihren Versicherten das Freestyle Libre ebenfalls vollständig oder anteilig finanzieren. Gute Chancen auf eine Kostenerstattung haben zum einen Privatversicherte (zum Beispiel bei der Debeka), wie meine kleine Auswertung von Beiträgen und Kommentaren in den einschlägigen Facebook-Gruppen ergab. Bei den gesetzlichen Krankenkassen sind es vor allem die Betriebskrankenkassen (BKK), die sich aufgeschlossen und spendabel zeigen. So hat zum Beispiel die Schwenninger BKK zum 1. August 2015 einen Vertrag mit Firma Abbott abgeschlossen, in den sich ihre Versicherten einschreiben können. Voraussetzung ist, dass es sich um Typ-1- oder Typ-2-Diabetiker handelt, die mit intensivierter konventioneller Insulintherapie (ICT) behandelt werden. Ob die Kostenübernahme genehmigt wird, ist eine Einzelfallentscheidung, doch die Anerkennungsquote ist nach Auskunft der Schwenninger BKK sehr hoch. Sobald der Antrag bewilligt wurde, muss der Versicherte nur noch eine ärztliche Verordnung einreichen, dann organisiert die BKK die Versorgung und Abrechnung über die Firma Abbott, wobei den Versicherten nur der gesetzliche Eigenanteil in Rechnung gestellt wird. Andere BKK haben zwar keine Direktverträge mit Abbott, erstatten aber die Kosten für das Freestyle Libre (zum Beispiel die BKK Deutsche Bank  oder die Energie BKK). Auch die BKK Audi und die BIG Direkt übernehmen die Kosten.

Aufgepasst: Erstattet meine Kasse weiterhin Blutzuckerteststreifen?

Generell scheinen die Krankenkassen diese Informationen aber nicht an die große Glocke hängen zu wollen, denn auf ihren Internetseiten weisen sie nirgends auf diesen Zusatzservice hin. Im Online-Bestellformular von Abbott hat sich die Bereitschaft etlicher gesetzlicher Kassen zur Kostenerstattung allerdings inzwischen ganz sichtbar niedergeschlagen: Hier kann man als Zahlungsoption mittlerweile einen Button „Rezept einreichen“ anklicken. Der Vorteil von Direktverträgen der Kassen mit Abbott liegt natürlich auf der Hand: Die Versicherten müssen nicht mehr in Vorleistung gehen, ihre Kasse übernimmt den gesamten Zahlungsvorgang für sie. Allerdings sollte man sich genau erkundigen, ob man trotz der Nutzung des Freestyle Libre nach wie vor Anspruch auf Blutzuckerteststreifen gegenüber seiner Kasse hat. In den einschlägigen Facebook-Gruppen mehren sich die Erfahrungsberichte, wonach einzelnen BKK sich von ihren Versicherten unterschreiben lassen, dass sie keine Blutzuckerteststreifen mehr in Anspruch nehmen, wenn sie sich für das Freestlye Libre entscheiden. Das ist in meinen Augen eine ziemlich heikle Bedingung, denn es gibt immer wieder einmal Messungen mit dem Freestyle Libre, die nicht plausibel erscheinen und mit einer Blutzuckermessung überprüft werden sollten.

Alle zwei Monate reiche ich meine Rechnungen bei der TK ein

Ich persönlich bin daher nach wie vor sehr zufrieden mit dem Prozedere bei der TK. Und das läuft bei mir so: Ich bestelle und bezahle auf eigene Kappe jeden Monat je zwei Sensoren  bei Abbott. Alle zwei Monate reiche ich je zwei Rechnungen bei der TK an, dafür nutze ich die E-Mail-Adresse hilfsmittel-1@tk.de. Meine Ausgaben für zwei Monate belaufen sich auf 251,50 Euro, wovon mir 190 Euro durch die TK erstattet werden. Meine Verordnungen für Blutzuckerteststreifen bleiben davon gänzlich unberührt; mein Diadoc kann sie mir weiterhin problemlos verschreiben. Allerdings brauche ich dank des Freestlye Libre natürlich wesentlich weniger Blutzuckerteststreifen. Meinen letzten Quartalsbedarf von 600 Teststreifen habe ich irgendwann im Frühjahr aus der Apotheke abgeholt und habe noch immer etliche Packungen in meinem Vorrat.

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12 Kommentare zu “Freestyle Libre: Es gibt Fortschritte bei der Kostenerstattung!

  1. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht 🙂
    Ich bin iiirgendwann auch mal libre Nutzerin und bei der TK versichert! Nimmst du die Teststreifen zum libre oder zu deinem bisherigen Messgerät?
    Liebe Grüße

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    • Liebe Angelina, toi toi toi, dass du auch bald „dran“ bist und ebenfalls gut mit dem Libre klarkommst! Ich nutze für Blutzuckermessungen weiter mein Accu-Chek mobile, weil ich die Testcassetten lieber mag als das ganze Gefussel mit einzelnen Teststreifen. Auch für die Dokumentation nutze ich nicht das Libre, ich verbinde das Lesegerät auch nicht mit dem PC. Stattdessen nutze ich weiter wie zuvor die MySugr App. Ich mache also kein einheitliches Datenmanagement, aber so gefällt es mir persönlich am besten. 🙂 LG Antje

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  2. auch ich danke für die zusammenfassung! Sehr gut geschrieben. Werde mich bei meiner Knappschaft mal informieren ob sie mir entgegenkommen ansonsten wirds bei mir auch auf die TK hinauslaufen!

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  3. hey, ich wollte gestern auch nochmal nachfragen wo ich das jetzt alles genau einreichen muss und da wurde mir gesagt, dass die TK seit dem 2. oder 3. Dezember gar nichts mehr erstattet, was ich wirklich total ärgerlich finde, weil ich das Ding ja jetzt schon bezahlt habe. Ich bin mal gespannt….

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    • Das stimmt leider. Die Warteliste ist endlich bei mir angekommen und ich darf jetzt auch shoppen. Aber bei meinem Anruf bei der TK hat mir die Frau aus der entsprechenden Abteilung gesagt, dass es eine Studie gegeben hätte, wo sie die Kosten erstattet hätten, die aber leider ausgelaufen sei. Das sei kein anerkanntes Hilfsmittel, deswegen gäbe es nichts. Das heißt, bis das Libre nicht ins Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen wurde, sieht es schlecht aus -zumindest für Neukunden. Wie ist das mit denen, die es bislang erstattet kriegen, läuft das bei euch auch aus?
      In diesem Fall ist also besser dran, wer sich früh genug in die Warteliste eingetragen hat. Schade…

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  4. Pingback: Vorläufiges Aus für die Kostenerstattung beim Freestyle Libre | Süß, happy und fit

  5. TK hat mich gerade angerufen. Sie übernehmen ab sofort die Kosten nicht mehr, da es ein neues Gesetz gibt.

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  6. Was für ein neues Gerät,soll es sein

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  7. Pingback: Kostenerstattung beim Freestyle Libre: Alles reine Verhandlungssache! | Süß, happy und fit

  8. Ich habe im Dezember 1914 mit dem Kauf des Startersets aus eigener Tasche begonnen, das FreeStyle Libre zu nutzen, da ich ansonsten zu 15 bis 20 Frischblutmessuzngen verurteilt wäre. Der Stellungs krieg um die Kostenübernahme durch hilfsmittel_1@tk.de dauerte 3 Monate und wurde seitens der TK mit Einschüchteungsversuchen geführt, bis ich begonnen habe, mich bei der Hauptverwaltung offiziell über das unfaire Verhalten der Abteilung zu beschweren. Urplötzlich verlangte man von mir eine kassenärztliche Verordnung, die kriegten sie nach Duisburg geschickt und dann erst überwies man mir die schon erwähnten 95 € pro Sensorenpaar.

    Bis November 2015, dann stellte die TK die Zahlungen ein, scvhrieb mir einen als freundliche Mitteilung getarnten bösen Brief, gegen den ich mich sofort verwahrte. Ich erhob offiziell Widerspruch gegen die Entscheidung, mich auf den Kosten für die Sensoren sitzen zu lassen, wurde gefragt, ob ich das ernst meine und seit 3 Tagen hat der Krieg gegen die widerborstige Leistungsabteilung eine neue Qualität: Man erklärt sich ‚gerne‘ bereit, für die Kosten meiner Lanzetten und Injektionsnadeln aufzukommen, aber nur gegen Übernehmens der Zuzahlung von 10% des Rechnungsbetrages durch den Lieferanten.

    Wie bitte? DAS war noch nie da! Der junge Mann an der Schreibmaschine hat sich da wohl vertan. Die TK erhält aufgrund meiner Teilnahme an einem Forschungsprogramm des BMG jährlich 4000 € von Herrn Schäuble. Und da gönnt man mir ‚Karnickel‘ nicht einmal das Instrumentarium, um die Forschung zu unterstützen.

    So nicht, liebe Leistungsabteilung, wir werden wohl einen Richter entscheiden lassen müssen, was Fug und Recht ist.

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  9. Lt. Pressemitteilung aus 03/2016 übernimmt die DAK seit 01/2016 jetzt auch bei Kindern mit Typ 1die Kosten für das Freestyle Libre.
    Auf die Anfrage meiner Mutter auf Kostenübernahme kam folgende Antwort der DAK: „Das Versorgungsprojekt ist beendet u. vom Bundesversicherungsamt untersagt worden. Versorgung mit Freestyle Libre dürfen wir nicht vornehmen.“
    Hallo, gehts noch? Extrem dafür werben u. dann solch eine Abfuhr!

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    • Nachdem die TK sich von Nov. 14 bis Nov. 15 zu 70% an den Kosten meiner Sensoren beteiligt hatte, stellte sie dies ein und verwies auf ein sehr unsachliches Urteil des Bundessozialgerichtes. Ich habe auf Anraten meines Diabetologen Widerspruch eingelegt, das Verfahren läuft noch. Er meinte, ich solle unbedingt die auflaufenden Rechnungen archivieren, die sind im Falle eines ‚Sieges‘ einklagbar.
      Den Widerspruch zwischen Werbung und Realität verstehe ich auch nicht. Und was Reklamationsverfahren angeht, verhält sich Abbott wie eine schwerbewaffnete Festung. Nach 15 Monaten klaglosem Einsatz des FreeStyle Libre stellte ein Sensor nach 4 Tagen den Betrieb ein, gab aber keine Fehlermeldung ab. Man wollte mir weismachen, ohne Fehlermeldung kein Fehler und mauerte. Erst als ich drohte, höchstpersönlich nach Wiesbaden zu kommen und das Verreckerchen live zu präsentieren, gab man nach und redete sich auf Kulanz hinaus. Also den Reklamationsservice von Abbott bewerte ich mit maximal 1 Stern: ‚Lieber nicht!‘

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