Süß, happy und fit

Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Ostseelauf in Timmendorf: Knackig kalt, schön sonnig und Blutzucker auf Talfahrt

Ein Kommentar

Am Abend vor dem Ostseelauf regnete und windete es in Timmendorf so ungemütlich, dass mein Mann und ich (auf einen Samstagabend!) uns schnell ins Hotelzimmer flüchteten und ungelogen schon um 21 Uhr im Bett lagen. Der Lauftag selbst entschädigte uns dafür mit tollster Frühlingssonne. Doch irgendwas ist ja immer: Weil mein Frühstück beim Laufstart noch nicht lang zurücklag und noch ein Bolus wirkte, musste ich auf der 10-km-Strecke permanent Traubenzucker einwerfen, um den Blutzucker stabil zu halten.

Es gibt ein Gedicht von Wilhelm Busch, das funktioniert bei mir als Universal-Trost:

Fortuna meint es gut mit uns,

doch will sie uns nie ganz beglücken.

Schenkt sie uns einen Sommertag,

so schenkt sie uns auch Mücken.

An dieses Gedicht musste ich beim gestrigen Ostseelauf immer wieder denken, bei dem ich zusammen mit meiner Freundin und Laufpartnerin Tina die 10-Kilometer-Distanz bestritten habe. Der Tag fing grandios an und überraschte uns mit einem friedlichen Himmel und einem wunderschönen Sonnenaufgang. Mit beidem hatte ich nach dem stürmischen und knochenkalten Vorabend in Timmendorf überhaupt nicht gerechnet. Perfektes Laufwetter, eine gut organisierte Veranstaltung, eine schöne Strecke mit Blick auf die Ostsee – Herz, was willst du mehr?

Ein Erdinger Alkoholfrei und vier Ballisto einfach so vaporisiert

Allerdings hatte ich die Rechnung ohne meinen Blutzucker gemacht. Der wollte sich beim Laufen nämlich nicht so brav benehmen wie bei meinen Läufen in den vergangenen Wochen. Ich weiß allerdings auch genau, woran das lag: Der Laufstart war für die 10-Kilometer-Distanz war für 9:30 Uhr angesetzt, Frühstück im Hotel gab es aber erst ab 8:00 Uhr. Ich aß zwar bewusst wenig um zu vermeiden, dass mir mein Frühstück beim Laufen schwer im Magen liegt. Doch auch vorsorglich reduziertes Insulin ist eben Insulin und wirkt so lange wie es nun einmal wirkt. Als wir nach dem Startschuss lostrabten, war der Frühstücksbolus also noch aktiv und fühlte sich durch die Bewegung umso mehr angestachelt, jegliche Glukose im Blut einzusammeln und woanders hinzuverfrachten. Ich musste permanent mit Traubenzucker gegen sinkende Werte anessen (und freute mich deshalb sehr, dass es entlang der Strecke alle 2,5 Kilometer Verpflegungsstellen gab, an denen ich den trockenen Traubenzuckerpamp im Mund mit ein paar Schlucken Wasser herunterspülen konnte). Es gelang mir zwar, den Zucker oberhalb von 80 bis 90 mg/dl zu halten – doch topfit und körperlich wie mental besonders leistungsfähig fühle ich mich nun einmal eher bei 110 bis 120 mg/dl. Erstaunlich fand ich auch den Glukosehunger meines Körpers nach dem Lauf. Normalerweise muss ich den Muskelauffülleffekt nur insofern berücksichtigen, als dass ich für die nächste Mahlzeit nach dem Laufen etwa 20 bis 25 Prozent weniger Insulin spritze. Gestern vaporisierten nach dem Lauf ein Erdinger Alkoholfrei (3KE) und vier Ballisto (je 1,2 KE) einfach so ins Nichts (oder doch eher auf die Hüften?). Fazit für den nächsten Lauf: Man sollte aus gutem Grund erst loslaufen, wenn kein Insulin mehr wirkt. Also früher aufstehen und entsprechend früher frühstücken.

Ich messe mich an meinen eigenen Leistungen, nicht an denen anderer

Dieser kleine Wermutstropfen war natürlich nicht der einzige Grund, warum Tina etwa drei Minuten vor mir über die Ziellinie rannte. Sie hat zwar erst vor einem guten Jahr mit dem Lauftraining begonnen, doch ich muss (völlig neidlos!) anerkennen, dass sie offenbar ein deutlich größeres läuferisches Talent als ich ist und mir auch bei unseren nächsten gemeinsamen Läufen vermutlich davonrennen wird. Man kann ja nicht alles auf den Diabetes schieben. Trotzdem bin ich mit meiner Zeit von 1:06 Stunden auf 10 Kilometern zufrieden. Denn ich messe meine Leistung lieber an dem, was ich selbst in der Vergangenheit hinbekommen oder eben nicht hinbekommen habe. Noch vor zwei Jahren brauchte ich für meinen ersten 10-Kilometer-Lauf 1:20 Stunden, musste zwischendurch etliche Gehpausen einlegen, kam als vorletzte Teilnehmerin im Ziel an und hatte in den nächsten Tagen höllischen Muskelkater. Beim gestrigen Ostseelauf belegte ich unter den Frauen immerhin Platz 207 von 243, konnte locker ohne Gehpausen laufen, hatte am Ende noch genug Energie für einen Schlusssprint und kann mich auch heute völlig schmerzfrei bewegen.

Schöner Saison-Auftakt! Jawohl, ich habe eine Saison!

Insofern bot mir der gestrige Tag dann doch mehr Sommer- als Mücken-Feeling, und ich freue mich auf die anstehenden Läufe und sonstigen Wettkämpfe der Saison 2015: den Itzehoer Störlauf am 9. Mai 2015, den Förderlauf Wedel am 31. Mai 2015, wo ich jeweils wieder die 10-Kilometer-Strecke bestreiten möchte. Beim Hamburger Nachtlauf am 19. Juni 2015 möchte ich mich erstmals an die 15-Kilometer-Distanz wagen. Am 18. Juli steht wieder der Hamburger Triathlon auf dem Programm, bei dem ich wieder in der Sprintdistanz antreten und hoffentlich erstmals meine neu erworbenen Kenntnisse im Kraulen einsetzen werde. Am 23. August 2015 bin ich erstmals für die 55-Kilometer-Distanz bei den Hamburger Cyclassics angemeldet, eine Woche später starte ich am 30. August 2015 wieder beim Elbe-Triathlon in der Sprintdistanz. Und am 18. Oktober steht natürlich wieder der Altländer Butterkuchenlauf auf dem Programm. Im vergangenen Herbst habe ich mich noch gewundert, als mich unsere Lauftrainerin Martina fragte: „Und wie war deine Saison?“ Hatte ich eine Saison? Ich?? Ich treibe doch gar nicht so viel Sport… Wenn ich mir diese Liste so anschaue, glaube ich so langsam doch, dass das eine berechtigte Frage sein könnte. Auch wenn ich bei jeder dieser Veranstaltungen irgendwo auf den hinteren Rängen herumkrebsen werde. Vielleicht aber gelingt es mir, mich wieder um ein paar Plätze nach vorn zu arbeiten. „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!“ Das sagte nun aber nicht Wilhelm Busch, sondern meine Oma. Und zwar immer dann, wenn sie beim Halmaspielen mal wieder nur ein einzelnen kleinen Schritten voran kam.

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