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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Wir sind Blutsbrüder! Eine Kampagne für mehr Aufmerksamkeit für Typ-1-Diabetes

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Die ALS Ice Bucket Challenge hat gezeigt, wie viel Aufmerksamkeit eine Schneeball-Aktion in den sozialen Medien für eine bis dato noch ziemlich unbekannte Krankheit erzeugen kann. Beim T1Day in Berlin fiel daher der Startschuss für eine ähnliche Kampagne – Ziel: Mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für Typ-1-Diabetes wecken.

Der stolze Apachenhäuptling Winnetou war meine erste große Liebe. Auf seinen Blutsbruder Old Shatterhand war ich (zumindest im Alter von etwa zehn Jahren) deshalb ziemlich eifersüchtig. Schließlich heißt Blutsbrüderschaft, dass man gemeinsam durch dick und dünn geht, füreinander einsteht und einander blind vertraut. So verschossen wie ich in Winnetou war, hätte ich diesen Status dem Bleichgesicht Lex Barker eigentlich gern streitig gemacht.

Mit einem verlässlichen Begleiter fällt das Leben mit einer Krankheit leichter

Heute habe ich eine andere (und zum Glück ganz reale) große Liebe. Mein Auserwählter heißt Christoph und ist mein Ehemann. Wir beide haben an der beim T1Day am 25. Januar 2015 in Berlin vorgestellte Kampagne „Wir sind Blutsbrüder“ teilgenommen und dafür Blutsbrüderschaft geschlossen. Denn wie bei jeder chronischen Erkrankung gilt auch beim Typ-1-Diabetes: Mit einem verlässlichen Begleiter, der in allen Höhen und Tiefen zu einem steht und der weiß, was im Notfall zu tun ist, fällt das Leben mit dieser hässlichen  Einschränkung einfach leichter. Christoph ist seit dem ersten Tag meiner Diagnose dieser verlässliche Begleiter für mich.

Möchte er weiter mit mir zusammen sein, auch wenn ich Diabetes habe?

Als ich Ende März 2010 im Alter von 40 Jahren erfuhr, dass ich Typ-1-Diabetes habe, kannten Christoph und ich uns ziemlich genau seit einem Jahr. Ich hatte allein und ganz benommen die Praxis meines Hausarztes verlassen, der aufgrund eines Blutzuckerwerts von 375 mg/dl auf Typ-1-Diabetes getippt und mich auf direktem Weg zum Diabetologen geschickt hatte. Leider erreichte ich Christoph nicht telefonisch, denn er war auf einer Geschäftsreise in China unterwegs und hatte sein Handy ausgeschaltet. Nachdem ich ihm die verstörende Nachricht auf seiner Mailbox hinterlassen hatte, tauchten in meinem Kopf unweigerlich ein paar Fragen auf: „Ob so eine Diagnose etwas an seiner Liebe für mich ändert? Möchte er weiter mit mir zusammen sein, auch wenn ich Diabetes habe?“

Wenn dein Diabetes ab jetzt zu dir gehört, dann liebe ich dich eben mit Diabetes

Ein paar Stunden später – der Diabetologe hatte zwischenzeitlich den Verdacht meines Hausarztes bestätigt, ich hatte gleich in der Praxis meine erste Dosis Insulin spritzen müssen und ich hatte mich bereits bei meiner Familie ausgeheult – rief Christoph endlich zurück. Und sagte einfach nur: „Wir schaffen das, meine Kleine.“ Meine Frage, ob er mich auch mit Diabetes liebt, fand er absurd: „Ich liebe dich. Und wenn dein Diabetes ab jetzt zu dir gehört, dann liebe ich dich eben mit Diabetes.“ Christoph war mir eine unglaubliche Stütze, als ich in den darauf folgenden Wochen und Monaten nicht nur das Diabetesmanagement erlernen, sondern meine Diagnose auch mental verarbeiten musste. Ich bin – ob mit oder ohne Diabetes – sicherlich eine recht taffe Person, aber diese Diagnose hätte mich doch in ein ziemlich tiefes Loch gerissen, wenn er nicht an meiner Seite gewesen wäre. Christoph kennt sich mittlerweile beinahe ebenso gut mit meinem Diabetes aus wie ich selbst, ohne mich mit seinem Wissen zu bevormunden oder zu kontrollieren. Er schätzt Kohlenhydrate und nimmt mir die eine oder andere Kopfrechenaufgabe ab. Er hat Traubenzucker in den Taschen, wenn wir gemeinsam laufen oder andere Unternehmungen machen. Und wenn ich ihn abends nach der Uhrzeit frage, kann es sein, dass er antwortet: „Oh, es ist zehn vor Lantus!“

Ganz klar, dass Christoph mein Blutsbruder ist. Deshalb haben wir uns beide mit einer Lanzette in den Finger gepiekst, jeder einen Tropfen Blut abgedrückt und auf der Kampagnen-Postkarte unsere Blutsbrüderschaft besiegelt. Es wäre schön, wenn sich möglichst viele Typ-1-Diabetiker und ihre Blutsbrüder an der Kampagne beteiligen und damit der Welt zeigen, dass sich blöde Dinge gemeinsam einfach besser ertragen lassen.

Blutsbrüder_Karte

Mitmachen ist einfach: Auf der Kampagnenseite http://www.wir-sind-blutsbrueder.de/ diese Karte herunterladen und ausdrucken. Mit einer Lanzette (bitte für jeden Blutsbrüder eine frische Lanzette verwenden!) in den Finger pieksen und die Blutsbrüderschaft mit einem Tropfen Blut auf dem kreisrunden Feld besiegeln. Unterschreiben, Selfie machen, Foto auf die Kampagnenseite hochladen, drei andere Typ-1-Diabetiker zum Mitmachen nominieren – fertig! 🙂

Blutsbrüder Antje+Chris 2

Mein Blutsbruder Christoph und ich

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