Süß, happy und fit

Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

T1Day: Warum habe ich Diabetes? Und ist vielleicht doch bald Heilung in Sicht?

Hinterlasse einen Kommentar

Kein Fingerstechen, keine Insulinspritzen mehr, kein mühsames Berechnen von Kohlenhydraten und Insulineinheiten, keine Geräte am Körper oder in der Handtasche, die uns beim Simulieren dessen helfen, was der Körper eigentlich allein können sollte… Dürfen wir irgendwann auf eine Heilung vom Typ-1-Diabetes hoffen?

Als ich Ende März 2010 – kurz nach meinem 40. Geburtstag – die Diagnose Typ-1-Diabetes erhielt, war mein erster (zugegebenermaßen ziemlich absurder) Gedanke: „Ich SCHREIBE über so etwas, ich HABE so etwas doch nicht! Warum ich?“ Doch leider sind auch Medizinjournalisten ebenso wenig wie andere Menschen immun gegen gesundheitliche Schicksalsschläge, gegen unerklärliche Launen der Natur wie das Entstehen eines Typ-1-Diabetes. Es gibt zwar immer wieder Theorien und Forschungsansätze zu der Frage, was diese Stoffwechselerkrankung auslöst oder begünstigt. Doch auch ein Experte wie der Privatdozent Dr. Klemens Raile, der an der Berliner Charité in der Kinder- und Jugenddiabetologie forscht, hat auf diese Frage bislang keine klare Antwort. Umweltfaktoren? Möglich, aber nicht belegt. Als Baby zu kurz oder gar nicht gestillt und zu früh mit Kuhmilch ernährt worden? Könnte sein – doch die Bedeutung dieses Faktors scheint zu gering zu sein, als dass man deswegen Heerscharen frischgebackener Mütter verrückt machen sollte, die vielleicht gute Gründe haben, warum sie nicht stillen können oder wollen.

Der aggressive Autoimmunprozess lässt sich bislang nicht stoppen

Beim T1Day am 25. Januar 2015 in Berlin konzentrierte Raile sich daher lieber darauf, den rund 300 Teilnehmern aus den vergangenen Jahrzehnten der Forschung zur Heilung des Typ-1-Diabetes zu berichten. Und da gab es eine ganze Menge Ansätze, wenngleich der große Durchbruch noch auf sich warten lässt. In den 1980er Jahren etwa versuchte man, mit dem Immunsuppressivum Cyclosporin den aggressiven Autoimmunprozess aufzuhalten, der beim Typ-1-Diabetes die insulinproduzierenden Betazellen zerstört. Cyclosporin wird ansonsten verwendet, um nach Organtransplantationen die Abstoßung des fremden Organs zu verhindern. Weil es eine Reihe schwerer Nebenwirkungen haben kann und die Zerstörung der Betazellen außerdem nicht dauerhaft verhindern, sondern nur hinauszögern konnte, nahm man bald wieder Abstand von dieser Therapieform. Auch Versuchsreihen, in denen man versuchte, frisch diagnostizierte Diabetiker mit Antigenen zu „impfen“, die man aus modifizierten Autoantikörpern des Typ GAD65 bildete, schlugen fehl: Bei den Studienteilnehmern, denen man Antigene verabreicht hatte, ging die Eigenproduktion von Insulin ebenso zurück wie bei den Studienteilnehmern, die nur Scheinmedikamente (Placebo) erhielten. Fazit: Der aggressive Autoimmunprozess lässt sich derzeit nicht aufhalten oder sogar rückgängig machen.

Stammzellen sind der große Hoffnungsträger

Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Denn wie Raile berichtete, laufen derzeit eine Reihe recht vielversprechender Studien zur Stammzelltherapie des Typ-1-Diabetes. Demnach ist es zum einen möglich, aus menschlichen embryonalen Stammzellen in vitro insulinproduzierende Zellen zu entwickeln und sie dann Mäusen einzupflanzen. Damit diese kostbaren insulinproduzierenden Zellen vom überaktiven Immunsystem nicht ebenso wie die körpereigenen Betazellen angegriffen und zerstört werden, scheint es sinnvoll zu sein, sie in einer Art Schutzkapsel zu verpacken. In einer Studie an Mäusen zeigte sich, dass insulinproduzierende Zellen, die durch eine Kapsel aus Alginaten geschützt waren, besser funktionierten als entsprechende Zellen, die ohne eine solche Verkapselung implantiert wurden. Die verkapselten Zellen reagierten mit Insulinproduktion auf steigende Glukosewerte im Blut, so dass sich die Blutzuckerwerte tatsächlich auf ein normales Level einpendelten. Wenn diese verkapselten Zellen im menschlichen Körper ebenfalls ihren Job erledigen und auch noch über einen akzeptablen Zeitraum hinweg durchhalten, bis ein neues Implantat fällig ist, dann käme das einer „Heilung“ des Typ-1-Diabetes doch zumindest gefühlt schon verdammt nahe…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mein Dank gilt allen Labormäusen, die für die Diabetesforschung ihr Leben lassen… Bildquelle: Mouse-19-Dec-2004„. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s