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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Verdammt noch mal, was geht es mir doch gut!

3 Kommentare

Heute habe ich bei meinem Diadoc Rezepte für meinen Quartalsbedarf an Diabetesutensilien abgeholt. Klingt vielleicht albern, aber ich war (nicht zum ersten Mal) ganz gerührt und dankbar, wie gut meine Versorgung hier funktioniert und wie wenig sie mich persönlich kostet.

Als Diabetiker klagt und jammert man ganz gern einmal. Das ewige Gepiekse in die Finger, die Einstichstellen am Bauch, komische selbst verschuldete Blutzuckerwerte, komische unverschuldete Blutzuckerwerte, Angst vor Folgeerkrankungen, die regelmäßigen Arzttermine, das Unverständnis vieler Mitmenschen, Unlust auf Traubenzucker bei einer Hypoglykämie… und natürlich die gesetzliche Krankenversicherung, die nicht alles zahlt, was wir unserer Meinung nach für unsere optimale Versorgung benötigen. Manch einer hätte gern mehr Teststreifen im Quartal, ein anderer wünscht sich ein CGM-System oder versucht vergeblich, seine Kasse von der Erstattung seiner Kosten für das Freestyle Libre zu überzeugen.

Es ist immer alles vorrätig, was ich für ein Quartal benötige

Ich möchte nun nicht behaupten, dass im hiesigen System der gesetzlichen Krankenversicherung immer alles mit rechten und gerechten Dingen zugeht. Aber Hand auf’s Herz: Es geht uns hierzulande trotz alledem wirklich verdammt gut! Heute habe ich mir nach einer Online-Rezeptbestellung in meiner Dia-Praxis Rezepte für meinen Quartalsbedarf an Diabetesutensilien abgeholt. Ich musste nicht warten, meine Rezepte waren fertig und bereits unterschrieben. In der Apotheke gegenüber von der Dia-Praxis ist man auf Kunden mit Diabetes eingestellt, es ist deshalb immer alles vorrätig, was ich für ein Quartal benötige. Ein einziges Mal bislang habe ich erlebt, dass nicht alle rezeptierten Cassetten mit Teststreifen vorrätig waren, die fehlenden Packungen bekam ich dann aber am Nachmittag kostenfrei von der Apotheke nach Hause geliefert. Ich bekam heute also meine 12 Cassetten für das Accu-Chek Mobile, mit denen ich bis Quartalsende 600 mal meinen Blutzucker testen kann. Ich bekam 200 Pennadeln, damit ich mehrmals täglich die Nadeln an meinen Insulinpens wechseln kann (wäre ich tatsächlich so konsequent, nach JEDER Injektion die Nadel zu wechseln, könnte ich mir auch 100 oder 200 Nadeln zusätzlich verschreiben lassen). Der Vorrat meines Balalinsulins Lantus war beinahe aufgebraucht, ich bekam 10 neue Ampullen. Von meinem Bolusinsulin Liprolog lagern noch etliche Ampullen in unserem Kühlschrank, hierfür brauchte ich kein neues Rezept.

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16 Euro Eigenanteil für meinen gesamten Quartalsbedarf

Für alle diese lebenswichtigen Sachen – immerhin eine ganze Plastiktüte voll – habe ich eine Zuzahlung von etwa 16 Euro leisten müssen. Mehr nicht, denn Blutzuckerteststreifen sind zuzahlungsfrei, und für alles andere sind nur zehn Prozent Eigenanteil vorgesehen. Ich konnte mir alles hier vor Ort innerhalb kürzester Zeit in kontrollierter Qualität beschaffen. Ich finde, bei aller berechtigter Nörgelei sollten wir nicht vergessen, dass unsere Probleme im Vergleich zu denen vieler anderer Diabetiker weltweit Luxusprobleme sind. Nicht überall auf der Welt ist es so einfach, an Medikamente und medizinische Hilfsmittel heranzukommen, nicht überall auf der Welt übernehmen Krankenversicherungen so viele erforderliche Behandlungskosten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Beispiel verschlingen die Kosten für die Diabetesbehandlung eines Erwachsenen in Indien bis zu 25 Prozent des Familieneinkommens. Und auch in den reichen USA muss eine Familie bis zu 10 Prozent ihres Einkommens dafür aufwenden, dass ihr Kind mit Diabetes angemessen versorgt wird. Nicht ohne Grund gibt es den Verein „Insulin zum Leben“, der Insulin und anderen Diabetesbedarf in Industrieländern sammeln, um Menschen in ärmeren Nationen zu helfen.

Ich jedenfalls war enorm dankbar und zufrieden, als ich heute mit einer vollen Plastiktüte und nur unwesentlich dünnerer Brieftasche von der Apotheke nach Hause radelte.

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3 Kommentare zu “Verdammt noch mal, was geht es mir doch gut!

  1. Hallo Antje,

    dein Beitrag spricht mir aus der Seele. Wir sind immer schnell dabei, wenn es ums Jammern und Meckern geht. Dabei sollten wir uns immer wieder mal bewusst machen, dass es gar keinen Grund gibt unzufrieden zu sein, auch wenn nicht immer alles perfekt ist. Man muss sich nur mal in der Welt umschauen. Wenn mich der Diabetes eines gelehrt hat, dann ist es Dinge, die ich immer als selbstverständlich hingenommen habe, zu schätzen.

    LG Stefan

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    • Ja, das geht mir auch so. Was habe ich gewöhnliche Körperfunktionen früher für selbstverständlich gehalten… Heute habe ich die größte Hochachtung vor dem, was der Körper normalerweise alles so im Hintergrund für uns leistet und was wir nur mühsam simulieren können…

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  2. Toller Beitrag. Danke dir! Ich habe vor wenigen Jahren erlebt, was in den USA abgeht. Oder besser ~ eher schlimmer: was dort nicht abgeht bei der medizinischen Grundversorgung. Unvorstellbar für uns… solange wir nicht dort waren. Aktuell höre und lese ich von der Panik von jugendlichen Typ 1 Diabetikern und vor allem auch ihrer Eltern dort… und von ihren Aufschreien nach Heilung. Sie könne sich ihren Diabetes nicht leisten! Noch übler – und von uns in Deutschland nicht ansatzweise wahrgenommen, sieht es in vielen Teilen Asiens und in Afrika aus. Gut wird sein, dass genau diese Panik – die Massenzunahme an Diabetikern auf nun etwa 0,4 Milliarden weltweit (klar: die meisten Typ 2 … egal) – und der damit zunehmende Druck tatsächlich zu Heilungschancen (!) des Diabetes führen wird. Ich bin seit 40 Jahren Typ 1 – Heilinung war nie ein reeller Gedanke – das ändert sich gerade. Weil hunderte Millionen weltweit sich den Diabetes nicht leisten können. Davon werden also auch wir in Deutschland profitieren. Klar haben auch wir hier unsere Probleme… geht immer nur ums Geld… meine Umstellung von ICT/Pen auf die Pumpe habe ich vor gut zweieinhalb Jahren auch nur durch sehr klaren und strengen Umgang mit diesem Selbstschutzverein namens MdK bei der Kasse durchsetzen können… hat unheimlichen aufwand über viele Monate gekostet… aber ich habe die Pumpe! Ähnliches läuft gerad mit der CGMS in unserem Ländle… alles unschön, auch bei uns – aber machbar. Was die CGM betrifft: da läuft gerad eine schöne kleine Petition, mit der wir die Kostenübernahme durchsetzen können (siehe Link auf meiner Webseite). Zurück zum Thema: Danke nochmal ~ war gut zu lesen 🙂 Klaus

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