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Von wegen zuckerkrank – ein Blog über glückliches Leben, leckere Ernährung und Sport mit Typ-1-Diabetes

Der Nobelpreis für Alltagsmathematik geht an einen Diabetiker!

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Mathe war noch nie meine Stärke, Kopfrechnen ging so gerade noch. Doch seit meiner Diagnose Typ-1-Diabetes laufe ich in Sachen Dreisatz zur Hochform auf!

In der Weihnachtszeit fällt mir immer besonders auf, wie viel ich in meinem Alltag mit Typ-1-Diabetes jeden Tag auszurechnen habe. Denn überall lauern Kekse, Dominosteine, gebrannte Mandeln, Stollen, Selbstgebackenes… und verlangen nach der korrekten Dosis Insulin. Man sollte meinen, dass diese Berechnung mittlerweile keine große Sache mehr ist, wo doch zumindest auf den Packungen von Fertigprodukten genaue Nährwerttabellen aufgedruckt sind. Doch wer es ganz genau nimmt, der muss trotzdem ziemlich fit im Kopfrechnen sein. Eigentlich sollte neben dem normalen Nobelpreis für abgefahrene Mathematik auch ein Nobelpreis für Alltagsmathematik verliehen werden – und ich bin ziemlich sicher, dass ihn ein Diabetiker einheimsen würde.

Kohlenhydratmenge wird oft nur pro 100 Gramm angegeben

Nehmen wir mal eine Packung Spritzgebäck von Coppenrath. Leider gibt die Firma Coppenrath auf ihren Packungen, ebenso wie im Internet, nur die Kohlenhydratmenge pro 100 Gramm an, in diesem Fall 63,5 Gramm. Dummerweise stecken in den wenigsten Kekspackungen 100 Gramm Kekse, sondern meist 125, 150 oder 175 Gramm, die sich auf 12 bis 15 einzelne Kekse verteilen. Meist habe ich nicht vor, den Inhalt einer ganzen Packung auf einmal zu essen, sondern vielleicht 3 bis 4 Kekse. Womit die Rechnerei, die im Hinterstübchen jedes Diabetikers automatisch beim Anblick jedweder Leckereien abläuft, dann auch schon losgeht.

Multipliziere ganz fix 3 Kekse à 6,35 Gramm KH mit KE-Faktor 1,75!

Bei 15 Keksen pro 150 Gramm Packungsinhalt lässt sich leicht ausrechnen, dass ein Keks 10 Gramm wiegt und damit 6,35 Gramm Kohlenhydrate enthält. Bei 3 bis 4 Keksen macht das also 19 bis 25 Gramm Kohlenhydrate. Zum Glück habe ich keinen krummen KE-Faktor, sondern spritze eine glatte Einheit Insulin pro Kohlenhydrat-Einheit (KE, entspricht 10 Gramm Kohlenhydraten). Ebenfalls froh bin ich darüber, dass ich mittlerweile einen Insulinpen nutze, mit dem man auch halbe Insulineinheiten spritzen kann (ich benutze den HumaPen Luxura von Lilly), denn sonst müsste ich die Zahl der zu verspeisenden Kekse solange erhöhen, bis eine glatte Zahl Insulinheiten rauskommt, was allerdings kein sonderlich figurfreundliches Vorgehen wäre. Sehr hilfreich ist es auch, mit einem Ingenieur verheiratet zu sein, der generell ziemlich viel Spaß an solchen Textaufgaben hat (das meine ich ernst!). Knifflig wird es, wenn die 125-Gramm-Packung 15 Kekse enthält. Dass 125 Gramm geteilt durch 15 Kekse pro Keks 8,333 Gramm (und damit 5,25 Gramm Kohlenhydrate) ergeben, finde ich im Kopf schon schwieriger zu rechnen. Wer dann auch noch mit KE-Faktoren wie 1,75 oder 2,3 rechnen muss, braucht wirklich eine Extraportion mathematisches Talent.

Ein Keks hat 5 Gramm Kohlenhydrate – mit dieser Aussage kann ich arbeiten!

Sehr löblich finde ich es deshalb, wenn die Hersteller von Nahrungsmitteln (und zwar nicht nur von Keksen, sondern auch von anderen Produkten!) ihre Nährwerttabellen um eine klitzekleine Spalte erweitern und die Nährwertangaben pro Portion bzw. pro Einheit angeben. Ich bin einmal durch die Supermarktregale gestreift und habe festgestellt, dass zum Beispiel die Edeka-Eigenmarken hier sehr vorbildlich sind: Auf jeder Packung stehen die Nährwertangaben pro 100 Gramm und auch pro Keks (den Lebensmitteltechniker vermutlich als „Verzehreinheit“ bezeichnen). Auch Bahlsen macht das bei vielen seiner Produkte: „1 Stück Waffelröllchen hat 5 Gramm Kohlenhydrate“ – das ist eine klare Ansage, mit der ich arbeiten kann. Etwas komplizierter ist’s bei den Vanillekipferln von Bahlsen: Hier erfahren wir immerhin, dass 5 Stück Vanillekipferl 35 Gramm wiegen, weswegen man die 55 Gramm Kohlenhydrate pro 100 Gramm Kekse nur noch pi mal Daumen durch 3 dividieren muss, um zu wissen, dass eine „Referenzmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen“ (eben diese 5 Kekse) etwas mehr als 18 Gramm Kohlenhydrate enthalten. Ein eigentlich überflüssiger Umweg bleibt es trotzdem.

Ich schließe für heute deshalb mit drei großen Bitten:

  1. Liebe nicht-diabetische Mitmenschen, habt ein wenig Geduld, wenn wir ein bisschen Zeit für die Beantwortung eurer Frage „Hey, möchtest du einen Keks?“ benötigen.
  2. Liebe Lebensmittelindustrie, bitte ergänzt doch bei jedem eurer Produkte eine kleine Spalte in der Nährwerttabelle mit den Nährwertangaben pro Verzehreinheit – und denkt dabei daran, dass unsereins nicht immer und überall eine Küchenwaage dabei hat, um schnell die Referenzmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen abzuwiegen. Stückangaben sind also definitiv besser als Grammangaben.
  3. Liebes Norwegisches Nobel-Komitee, ihr denkt mal über meinen Vorschlag mit dem Nobelpreis für Alltagsmathematik nach, ja?
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5 Kommentare zu “Der Nobelpreis für Alltagsmathematik geht an einen Diabetiker!

  1. Bei dem Elch kommt natürlich noch die inhomogene räumliche Zuckerverteilung hinzu. Wenn Du z.B. das Ohr, hier mit Zuckerguss, isst, enthält das bestimmt mehr Zucker, als die Backe…… 🙂

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