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Weltdiabetestag 2014 – Mein Brief an Frederick Banting, den Erfinder des Insulins

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dbwAm 14. November 2014 ist Weltdiabetestag, der jedes Jahr zum Geburtstag von Frederick Banting begangen wird. Er wäre dieses Jahr 123 Jahre alt geworden. Ebenso wie viele andere deutsche Diabetes-Blogger habe ich ihm zu diesem Anlass einen Brief geschrieben.

Lieber Herr Dr. Banting,

oder sollte ich vielleicht besser „lieber Frederick“ sagen? Schließlich stehst du mir seit meiner Diagnose Typ-1-Diabetes ziemlich nahe, denn dir und deinen Kollegen, die in den frühen 1920er Jahren ebenfalls an der Entdeckung des Insulins beteiligt waren, verdanke ich mein Leben nach der Diagnose. Ok, es wäre wohl ein bisschen peinlich, dich deswegen gleich „Papa“ zu nennen, aber zum Duzen sollte es reichen.

Es ist eine beängstigende Vorstellung, dass meine Lebenserwartung zum Zeitpunkt meiner Diagnose Typ-1-Diabetes im Frühjahr 2010 ohne Insulin wahrscheinlich nur noch wenige Monate betragen hätte. Umso dankbarer bin ich dir und all den anderen Menschen, die seinerzeit an dem Thema herumgeforscht haben, bis es euch schließlich gelang, gereinigtes Extrakt aus tierischen Bauchspeicheldrüsen herzustellen und damit Menschen mit Diabetes zu behandeln. Der erste von dir behandelte Patient war ein kleiner Junge, der zu Beginn seiner Therapie erst fünf Jahre alt war. Er starb erst 1993 nach 70 Jahren Diabetesdauer im Alter von 76 Jahren – wow, das ist auch nach heutigen Maßstäben eine beachtliche Diabetesdauer!

Ich frage mich, welche Rolle du wohl in der Diabetesforschung spielen würdest, wenn du heute noch am Leben wärst. Wärst du ein verschrobener Einzelgänger, der im stillen Kämmerlein an etwas völlig Verrücktem herumtüftelt? Oder wärst du ein von der Industrie gesponsorter Forscher, der als international bekanntes Mietmaul auf sämtlichen Kongressen auftritt? Würdest du versuchen, die Mechanismen weiter zu ergründen, die beim Typ-1-Diabetes zum Totalausfall der Bauchspeicheldrüse führen – mit dem Ziel, den Ausbruch der Erkrankung künftig zu verhindern? Oder würdest du an neuen Techniken forschen, mit denen Diabetiker ihren Blutzucker noch lückenloser überwachen können? Würde es dir gelingen, den „closed loop“ zum Laufen zu bringen, auf den Typ-1-Diabetiker weltweit so große Hoffnungen setzen? Dürften wir von dir neue Insuline erwarten, die noch physiologischer wirken? Oder würdest du dich vielleicht eher der Erforschung der Insulinresistenz und des Typ-2-Diabetes widmen?

Noch immer sind so viele Fragen rund um den Diabetes mellitus ungeklärt und unerforscht. Es gibt immer noch so viel zu tun für engagierte Forscher wie dich. Ich wünsche mir, dass es in jeder Medizinergeneration Ärzte mit deinem Pioniergeist, deiner Neugier und deiner Unerschrockenheit gibt.

In Dankbarkeit,

Antje

Photograph_of_F.G._Banting_and_C.H._Best_with_a_dog_on_the_roof_of_the_Medical_Building_(12309019434)

Foto von F. G. Banting und C. H. Best mit einem Hund auf dem Dach des Medical Building in Toronto, August 1921. Quelle: Thomas Fisher Rare Book Library, Wikimedia Commons

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